|
Naxos - Griechenland
Unsere Reise nach Naxos im schönen Griechenland begann an einem Freitag Nachmittag im September 2004. Wir beluden unsere Motorräder mit unserer Ausrüstung und Bekleidung für 14 Tage. Dies war wohl die erste Motorrad Reise in meinem Leben, welche meine Frau und mein Sohn dabei sein konnte. Denn die beiden würden zwei Tage später mit dem Flugzeug folgen. So brechen Andi und ich Richtung Süden auf, den Sustenpass schon vor Augen, über welchen wir dann weiter über den Gotthard und dann Richtung Milano fahren. Die Strecke bis Milano haben wir mehrheitlich auf der Autobahn hinter uns gebracht. Wir kommen gut voran. Es hat für ein bevorstehendes Wochenede fast kein Verkehr. Wir nehmen die A4 Richtung Venedig. Mit rund 150 Sachen rauschen wir über die Autobahn. Beim letzten Tankstopp haben wir uns dazu entschlossen, in Brescia ab der Autobahn zu gehen und auf den Nebenstrassen Richtung Venedig weiter zu fahren. Das war ein Fehler, denn die Strassen waren allesamt verstopft. Für 100 Kilometer brauchten wir fast 3 Stunden. Der bevorstehende Wochenendverkehr hat uns eingeholt. 4 Uhr Morgens. Wir sind in Venedig angekommen. Schon eindrücklich, der künstliche Damm auf welchem die Strasse und die Bahngeleise nach Venedig führen. Wir stehen im Frachthafen an einem Parkplatz. Hundemüde legen wir uns neben dem Motorrad auf den Asphalt und dösen ein wenig vor uns hin. Wenigstens sind wir nicht die einzigen. Eine deutsche Motorradgruppe erleidet das selbe Schicksal. Nach ca. zwei Stunden unbequemen Dösens, werfe ich den Benzinkocher an und mache uns einen Kaffee, wo der Löffel drin steht! Nach dem Kaffee verabschieden wir uns von den Deutschen und fahren über den Damm zurück, nehmen die E55 der Adriaküste entlang Richtung Rimini. Die Strasse ist leer. Im Morgengrauen fliegen wir nur so über den Asphalt. Der Sonnenaufgang ist traumhaft schön und die ersten Sonnenstrahlen wärmen unsere kalten Glieder. Es geht gut vorwärts. Die Kilometer fliegen nur so dahin. Die Strassen werden grösser und besser. Rimini kommt näher. Andi will durchziehen, weiter nach Ancona. Da ich aber noch nie in Rimini war, kann ich ihn überreden, nach Rimini zu fahren. Ich will mich doch auch mal wie ein Reicher Mann fühlen. Ich hätte besser auf ihn gehört. Hässlich so was! Von Strand kaum mehr etwas zu sehen, alles überteuert. Ich geh nie mehr nach Rimini. Wir haben uns für die Weiterfahrt auf der Küstenstrasse entschieden. Spätestens in Cattolica vergeht uns der Spass. Von Rimini aus bis jetzt haben wir nur "ein Gebäude" gesehen. Alles ist überbaut. Vom Meer sieht mann nur Sekundenbruchteile etwas zwischen den Häusergassen. Nicht nur das. Die Zeit läuft uns davon. Der Verkehr ist schleichend und wir müssen spätestens um 14 Uhr im Hafen von Ancona sein. Wir entschliessen uns, bei der nächsten Möglichkeit die Autobahn zu nehmen. Wir hätten schon viel früher die Autobahn nehmen sollen. Die Aussicht von der Autobahn ist grandios! Da die Autobahn etwas weiter weg von der Küste liegt, ist sie geländebedingt erhöht. Wir sehen wunderbar aufs Meer, aber die Zeit drängt. Die Fähre wartet nicht. So rasen wir mit 170 Sachen - Mehr liegt mit den Seitenkoffern nicht drin - Richtung Ancona. Der Fährhafen ist schnell gefunden. Der Schalter für die Fahrkarten ebenso. Das Schiff steht schon bereit. Die Preise für die Überfahrt nach Griechenland sind fantastisch! 150 Teuro pro Person mit Motorrad von Ancona nach Igoumenitsa Retour. Ohne Kabine, nur Deck. Wir entschliessen uns an Bord eine Schlafkabine zu organisieren. Die Bedingungen sind ernüchternd. Eine 2 Bett Kabine innen kostet ebenfalls 150 Teuro - Pro Person! Schnell ist beschlossen, dass wir nicht bereit sind das Schiff zu kaufen. Wir wollen doch nur nach Griechenland kommen und etwas schlafen. Im Vergleich dazu fahre ich mit dem Auto, 2 Erwachsene und ein Baby, inklusive 2 Bett Kabine innen, von Cherbourg - Frankreich nach Rosslare - Irland für 160 Euro Retour. Für alles und nicht pro Person! Aber lassen wir das. Es wird ja nicht nur in Italien Abriss betrieben. 8 Uhr Morgens. Wir legen im Hafen von Igoumenitsa an. Wir fahren mit unseren Mopeds von der Fähre und erstellen die Packung. Von jetzt an läuft es wie geschmiert. Die Strassen sind wider Erwarten in einem sehr guten Zustand. Von Igoumenitsa aus setzen wir unsere Reise entlang der Küste, Richtung Patras fort. Die Aussicht aufs Meer ist fantastisch. Die Strassen sind kurvig und übersichtlich, zügig zu befahren. Wir fliegen mit unseren Motorrädern über die Landstrasse in Richtung Arta, dann weiter Südwärts durch markante Schluchten nach Patras. Die neue Hängebrücke, welche Andirio mit Patras verbindet ist ein eindrückliches Bauwerk. Wir bezahlen den Zoll für die Brücke und machen uns auf den Weg, weiter Richtung Athen. Wir kommen weiterhin gut voran. Wenig Verkehr. Die Aussicht ist grandios. Wir kommen langsam nach Athen. Die Strassen werden voller. Das Verkehrschaos nimmt zu. Gott sei Dank müssen wir nicht direkt nach Athen, sondern nach Piräus, wo wir eine weitere Fähre erreichen wollen. Ich bin schon froh, ist Andy schon mal da gewesen. Denn er weiss, dass der Wegweiser nach Piräus schlecht zu sehen und leicht zu verpassen ist. Verpasst haben wir den Wegweiser nicht. Zum Glück! Aber wenn man das nicht weiss - Keine Chance den zu erkennen! Vor allem da er noch in Griechisch ist und man nur mit viel Fantasie das Wort Piräus erahnen kann. Rechtzeitig kommen wir im Hafen von Piräus an. Doch das Glück ist nicht auf unserer Seite. Das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Schiffe fahren nicht. Sturm! So sitzen wir fest und müssen uns auf eine weitere, unbequeme Nacht einstellen. Die Minuten schleichen nur so dahin. Der Hafen ist Menschen leer. Nur vereinzelt treffen wir auf Leute, die ebenfalls festsitzen. Wir schlagen uns die Nacht in der Hafenbeiz um die Ohren. Wir haben Glück. Das Wetter ist besser und wir können aufs Schiff. Die letzten zwei Plätze auf der Fähre. Nun geht es endlich weiter nach Naxos. Die Insel in den Zykladen, wo wir die nächsten 10 Tage verbringen werden. 11 Uhr Abends. Wir kommen auf Naxos an. Ein wenig Schlaf haben wir schon bekommen auf der Fähre. Aber trotzdem sind wir kaputt. Wir fahren noch die letzten paar Kilometer in Hotel, zu den Bekannten von Andy. Es ist spät. Meine Frau und mein Sohn sind schon im Zimmer. Der Kleine schläft und meine Frau ist froh, dass wir endlich da sind. Das Motorrad abladen werde ich morgen. Ich will nur noch duschen und ins Bett. Ein neuer Tag. Mein Sohn erwacht und sitz nullkommanichts auf mir. Eine riesen Freude mich zu sehen. Ich freue mich auch ihn zu sehen, allerdings hätte das eine Stunde später sein dürfen. Verschlafen stehe ich auf und ziehe mich an. Lade die Koffern am Moped aus. Nun können die Ferien losgehen. Wobei ich heute sicher keinen Meter fahren werde. Die Insel Naxos ist nicht gerade gross. Es hat schon etwas Touristen. Es ist aber nicht so schlimm, wie man das von anderen Orten kennt. Hauptverbindungsstrassen aus Schotter, endlose Strände und schmale Bergpfade. Alles was ein Endurofahrer begehrt. Kein Problem mit den Einheimischen. Die Bauern sind freundlich und haben nichts gegen ein paar Motorradfahrer, solange die nicht quer über den Acker rattern. Noch weiss ich nicht genau wohin und wodurch. Da ich kein Griechisch kann, kann ich auch niemand fragen. Der Hotelier ist so freundlich und zeigt mir ein paar Wege auf der Karte. Die werde ich noch ausprobieren. So habe ich es am liebsten. Am Morgen ausschlafen. Mit der Familie Frühstücken. Die Familie geht zum Strand, ich geh auf die LC8. Nach einer Handvoll Stunden treffe ich die beiden am Strand, baue Sandburgen mit meinem Sohn und erfrische mich im Meer. Was will man mehr. Für einige der Pfade ist die LC8 zu schwer. Das geht für mich schon in Ordnung. Wenn es aber unbedingt sein muss, kann man auf der Insel leichtere Enduros mieten. Es gibt genau 3 KTM auf der Insel. Der Bruder vom Hotelier, mit seiner LC4 Adventure. Ein Freund von Dimitri fährt die schwarze LC8 und ein Grieche der mir auf einer 525 MXC entgegen gefahren ist. Vom Gelände her richtiges LC8 Land! Die einzige Geschwindigkeitsvorgabe auf der Schotterpiste gegen Agiassos war meine Angst. Schneller darf ich nicht! Der Süden der Insel ist super für schwere Enduros wie die BMW GS oder die LC8. Es hat viele Möglichkeiten, sich mit den Mopeds auszutoben. In den Bergen ist dann eine leichtere Enduro ratsam. Enge und steile Wege. Mein Fahrkönnen reicht nicht aus, um mich dort mit der LC8 fort zu bewegen. Aber es gibt genügend andere Orte dafür. Die Strassen auf der Insel sind in einem erstaunlich guten Zustand. Allerdings muss man sehr vorsichtig sein. Jährlich verunfallen zahlreiche Touristen mit Mopeds, weil sie die Strassen unterschätzen, erzählt mir der Hotelier. Er fährt selber Motorrad. Ich habe mir die Worte zu herzen genommen. Man merkt sofort, dass da was dran ist. Durch das Salz und den Staub gibt es einen schmierigen Belag auf dem Asphalt. Ein wenig zu schnell und schon rutscht es. Es ist ganz schön schwierig, sich zu beherrschen, denn die Strassen verleiten sehr zum zügig fahren. Es erinnert mich sehr an einige Passtrassen in der Schweiz. Alles in allem eine super Insel um mit dem Motorrad Ferien zu machen. Sogar eine Töfftour mit meinem Sohn konnte ich machen. In der Schweiz würde man wohl mit 20 Jahren Zuchthaus bestraft. Der Süden ist voller Schotterpisten. Der Norden mit den Bergen lädt für ausgiebiges Kurven fahren ein. Nur vorsichtig muss man sein! Denn die Schotterpisten sind öffentliche Verbindungsstraßen und der Asphalt ist sehr rutschig. Jedenfalls waren es sehr schöne 10 Tage die viel Spass gemacht haben. Tag der Abreise. Unsere Fähre legt um 23 Uhr ab. Wir packen die Mopeds. Verabschieden uns von meiner Familie. & Stunden bis Athen. Zeit etwas zu schlafen. Die Fähre ist praktisch leer. 5 Uhr morgens. Wir fahren in Athen vom Schiff. Noch ein Kaffee, dann brechen wir Richtung Levadia auf. Je weiter wir aus Athen raus fahren, desto weniger Verkehr. Wir kommen zügig voran. Weiter geht's Richtung Itea. Wir kommen über ein Hochplateau. Eine riesige Weite. Karg aber wunderschön. Einzig eine Tankstelle, sonst ist nichts zu sehen. Die fahrt geht weiter Richtung Itea. LAngsam geht es wieder dem Meeresspiegel entgegen - Und wieder diese kurvigen, gut übersichtlichen Strassen die zügig befahren werden können. Wir fahren zwischen 90 bis 120 Km/H. Wir fliegen weiter nach Patras. Von Patras aus fahren wir nun den Weg zurück, den wir gekommen sind. In Igoumenitsa angekommen, checken wir für die Fähre ein. Wir haben noch genügend Zeit uns zu erfrischen und etwas zu essen. In einem Matrosenbeizli werden wir ausgezeichnet verpflegt. Wir tanken noch unsere Mopeds randvoll. Das Benzin in Italien ist einiges teurer als in Griechenland. Die Fahrt mit der Fähre erweist sich wiederum als unbequem. Vom Schiff gefahren, machen wir uns Abfahrbereit. Das Münz für die Italienischen Autobahngebühren bereit in Handschuhfach über dem Tank. Diesmal nehmen wir für die ganze Route die Autobahn. Es kostet zwar einiges an Gebühren, aber nochmals so Szenen wie zum runter fahren brauchen wir nicht. Wir sind gut unterwegs auf der A14. Meistens mit 150 Km/H. Ein paar Tankstopps und wir sind Zuhause. Auch dieses Mal geht alles gut. Es hat mehr Verkehr als beim runter fahren. Trotzdem läuft es zügig und gut. Vor Milano Stau. Zu früh gefreut! Wir schlängeln uns zwischen den Autos durch. Eins muss man den Italienern lassen: Sie machen freundlich Platz für die Motorradfahrer. Wir fahren an der Ursache des Staus vorbei. Ein Auto liegt auf dem Dach. Die Polizei deckt gerade eine Person mit einem Tuch ab. Schon komisch, wie man nach solchen Bildern automatisch langsamer Unterwegs ist. Trotzdem, es geht weiter nach Milano, weiter nach Como, Lugano, Bellinzona. Es ist stockfinstere Nacht, als wir auf dem Gotthard oben anhalten. Damit aber nicht genug. Der Nebel ist so dick, dass ich kaum 10 Meter weit sehen kann. Wir haben uns verrechnet. Wir wollten über den Pass statt durch die Röhre, wegen der Luft. So haben wir im Nebel viel Zeit verloren. Andermatt, runter nach Wassen. Tankstopp. Was nun? Der Susten hat sicher auch Nebel. Umweg über den Brünig oder Nebel am Susten? Da wir schon nass sind, entscheiden wir uns für den Nebel. Der ist noch dichter als am Gotthard. Bis Nessental sehen wir nichts ausser Nebel und 5 Meter Strasse. Dann lockert sich der Nebel auf. Innertkirchen. Noch 30 Minuten und wir sind zuhause. Es war eine wunderschöne Tour, die ich nur jedem empfehlen kann. Eines ist klar: Ich werde mal wieder nach Naxos fahren. |