Korsika Spontan Tour


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. bis 12. April 2008

Der 10. Hochzeitstag, der Geburtstag meiner Frau und mein Geburtstag standen vor der Tür. Urlaub für die Woche war bereits im Dezember des Vorjahres eingereicht worden und unser Sohn durfte eine Woche bei Oma verbringen. Das meine Frau und ich etwas „alleine“ unternehmen war schon lange klar. Nur leider wussten wir Samstag früh noch immer nicht genau was. Klar war nur, dass wir eine Motorrad Tour machen wollten. Nach einem langen, kalten und regnerischem Winter, waren wir richtig gehend ausgehungert nach warmen Temperaturen und sonnigem Wetter. So war eigentlich auch relativ schnell klar, dass es gegen Süden gehen sollte.

Bereits eine Woche vor dem Aufbruchtermin studierte ich beinahe stündlich den Wetterbericht. Dieser prophezeite nichts Gutes für die kommenden Tage im Süden unseres Landes; Samstag bedeckt aber trocken Sonntag und Montag schön. Ab Dienstag wieder Wetterverschlechterung mit anschliessenden, ergiebigen Niederschlägen – Und bei uns im Norden durchgehend schlechtes Wetter.

Da in diesem April die Temperaturen im Norden noch empfindlich kalt waren und das Wetter nass, fasste ich schnell den Entschluss, einen Freund von mir um Hilfe zu bitten. Ich musste auch nicht lange auf dessen Hilfe warten, welche ich in Form eines Motorrad Transport Anhängers erhalten habe. Mein Plan war also nun, zu einer Motorrad Tour im Süden auf zu brechen und die Schlechtwetter Region mit dem Motorrad im Huckepack und Auto hinter uns zu lassen, ausgewachsen! Leider war der Wetterbericht für die Region Tessin noch immer nicht viel mehr versprechend. Also ein weiteres Studium des Wetterberichts, mit anschliessendem Blick in die Satellitenbilder von Europa. Da ist mir eine Region ins Auge gefallen, welche von den Wolken- und somit von den Regenmassen verschont zu bleiben scheint. Südfrankreich, Pyrenäen, Spanien, Korsika und Sardinien.

Als nächstes ist dann das Auschlussverfahren zum Zug gekommen. Südfrankreich, die Pyrenäen und Spanien in einer Woche wäre zu weit. Nach Sardinien fahren wir im Mai. Also haben wir uns kurzerhand entschlossen, nach Korsika zu fahren. So setzte ich mich also Sonntag Morgen an den PC, um ein wenig im Internet nach Fähren und Hotels zu suchen. Die Hotels waren weniger das Porblem, aber die Fähre sollte sich als tricky erweisen. Von Genua aus fahren die Fähren erst in der Saison. Die Hafen in Frankreich schienen irgendwie auch nicht in Frage zu kommen, da die Übersetzzeiten recht lange sind. Die einzige Möglichkeit, in einer vernünftigen Zeit zu erreichen, war von Livorno aus. Preise angeschut und schnell stand fest, dass wir mit dem Motorrad auf die Fähre gehen. Wie reisen wir denn an, stellte sich die nächste Frage. Fahren wir mit Auto und Anhänger bis Livorno und riskieren den ganzen Tross nicht mehr vor zu finden, wenn wir zurück kommen, oder machen wir die Reise mit dem Moped. Da war doch noch das schlechte Wetter im Norden! Schnell wurde der Entschluss gefasst, dass wir das Motorrad auf den Anhänger laden, ins Tessin fahren, parken und mit dem Moped nach Livorno weiter reisen. Nicht zuletzt wegen den Autobahn Gebühren in Italien.

Tag 1:

„The Decider“

So kamen wir am Sonntag spät in die Gänge und trafen im Tessin erst um ca. 14.00 Uhr ein. Nichts desto trotz sind wir danach gut voran gekommen und trafen um kurz nach 19 Uhr in Livorno ein. Die Hotelsuche sollte sich aber als nicht ganz so einfach entpuppen, wie die Anreise für sich. Das Navi gab viele Hotels an, die es gar nicht mehr gab. Etliche hatten noch zu und viele waren schlicht weg zu teuer. Unsere Hartnäckigkeit sollte aber belohnt werden. So fanden wir zu guter letzt ein kleines, ein Sterne Hotel für 50 Euro das Doppelzimmer. Leider muss ich dazu erwähnen, dass das Zimmer fürchterlich nach Schimmel gerochen hat und eisig kalt war. Wenigstens waren aber die Betten sauber.

Tag 2:

Unruhige See

Am nächsten Morgen war dann alles ganz einfach. In 15 minuten waren wir am Fährhafen, schnell das Ticket für die Hin- und Rückfahrt gelöst und aufs Schiff eingechecked. Pünktlich um 9 Uhr früh legte die Fähre in Livorno ab und brach Richtug Bastia auf. Die Überfahrt zeigte sich als sehr angenehm. 4 Stunden an Bord der Moby Vincent, mit meiner Frau und etlichen Tassen Kaffee, bei hohem Wellengang. So liess es sich nicht vermeiden, dass es dem einem oder anderen Passagier ein wenig anders wurde und von den, durch die Besatzung vorgänig aufgehängten Plastiktüten, rege Gebrauch gemacht wurde. So kam es, dass wir mit einer Stunde verspätung in Bastia eintrafen.

In Korsika hat uns die Sonne empfangen. Es ging zwar eine steife Brise, aber im Windschatten war es herrlich warm. Da uns der Hunger plagt, da wir auf die Köstlichkeiten der Schiffskombüse an Bord der Moby Vincent verzichtet haben, fanden wir schnell ein Kaffeehaus gleich neben dem Fährhafen in Bastia. Allerdings war es ein Kaffehaus der etwas gehobeneren Schicht. So kostete uns die zwei Tassen Kaffee und die zwei Stück Kuchen 15 Euro! Recht happig die Preise, dachte ich mir. Das wird wohl ein teurer Spontanurlaub!

Internet sein Dank, fand ich vorgänig ein paar GPS Tracks mit „Tourvorschlägen“ auf der ganzen Insel. Diese sollten sich als guten Mix von On- und Offroad Strecken erweisen. So folgten wir dem ersten Track auf die Westseite der Insel, nach Saint Florent. Es war noch recht früh, trotzdem ist mir aber ein kleines, schmuckes Hotel ins Auge gefallen, das mich nicht mehr losgelassen hat. So biegte ich in die Einfahrt ein und hielt auf dem Parkplatz vor der Reception an. Wir wurden sehr freundlich begrüsst und haben auch sofort ein super Doppelzimmer bekommen. Da unsere Zeit auf 4 Tage Insel beschränkt war, haben wir das Zimmer gleich für die ganze Zeit gebucht. 47 Euro die für das Zimmer, mit grosser Terasse, einem vorgelagerten, farbenprächtigen Blumen Garten und Blick aufs Meer, ein gutes Preis – Leistungs Verhältnis für die Nacht, ohne Frühstück. So beendeten wir den Tag auf gemütliche Weise.

Tag 3:

Ein Tag am „Nordkap“

Erst stand mal so richtig ausschlafen auf dem Programm. Als wir dann endlich nach 11 Uhr aus dem Hotel und aus Saint Florent heraus kommen, führt uns unser Weg in nördlicher Richtung entlang der Küste. Vorbei an den verschlafenen Fischerdörfchen Marine de Negro und Nonza, erreichen wir den Ort Marina D'Albu, wo wir ins Landesinnere abbiegen. Auf schmaler, unübersichtlicher und kurvenreicher Strassepassieren wir das Dörfchen Ogliasco. Die Inlandstrasse scheint regelrecht für Motorräder gebaut worden zu sein. Die Strasse ist ungefähr 2,20 Meter breit und in der Mitte ist eine gestrichelte Linie auf gemalt. Dies ergibt eine Fahrbahnbreite von 1,10 Meter. Gerade mal etwas breiter als der Lenker eines Motorrades. In dem kleinen Bergdorf Olcani verfahren wir uns dann kurz. Da die Kartendaten auf dem GPS nicht der Realität entsprechen, verpasse ich den Einstieg zur ersten „Pass Strasse“ und sehe mich dan kurze Zeit später gezwungen, auf einem Bauernhof wo die Strasse zu Ende war, zu wenden. Einige Meter verfolgt von einem Rudel „Wachhunde“, finde ich dann doch noch die Richtige Abzweigung und gleich darauf erhöhte sich meine Pulsfrequenz aus Freude vom Anblick des vor mir liegenden Schotterwegs. Auf der Passhöhe, dem Bocca San Ghjuvani (960 MüM), legen wir einen kleinen Zwischenstop ein und geniessen den Ausblick auf beide Seiten ins Tal hinunter. Der Abstieg zur Ostküste über die Orte Casella, Balba, Muline, Puraghia und Vignale nach Sisco ist genau so toll, wie der Aufstieg der Westseite. Unten angekommen, fahren wir wieder auf der Küstenstrasse Richtung Norden. In Ambulgia finden wir ein kleines Strand Restaurant, welches offen hat. Wir sitzen direkt bei der Brandung und geniessen ein leckeres Steak Rochefort. Nach der verspäteten Mittagspause führt uns unser Weg wieder ins Landesinnere. Vorbei an den Ortchen Campelle, Loro und Vena fahren wir wieder auf rumpeliger Landstrasse. In Pietronacce biegt die Landstrasse dann nach Links, während wir unseren Weg gerade aus fortsetzen. Die Strasse wird immer schmaler und holperiger, bis sie schliesslich komplett zum Schotterweg wird. Was mich aber erstaunt ist, dass mir das Navi noch immer die Strassenbezeichnug D32 anzeigt. In Ortale wechselt die Fahrbahn dann wieder auf Asphalt über. Wir folgen der D123 runter zur Küste und fahren auf der herrlich kurvigen D80 weiter gegen Norden. Auf der D35 geht es dann wieder auf schmaler Strasse ins Landesinnere. Vor Giovanace zweigen wir dann Rechts auf einen weiteren Schotterabschnitt ab. Vorbei an Windmühlen, welche der Stromerzeugung dienen, rumpeln wir Richtung Botticella. Der D80 folgend geht die Tour weiter Richtung Westküste. In Morsiglia gibt es dann noch einen Kaffeestop in einer Einheimischen Beiz. Die Wirtin, spricht sehr gut Deutsch und gesellt sich für ein paar Zigaretten zu uns an den Tisch. Wir bringen in Erfahrung, dass die gute Frau Feuerzeuge sammelt. Leider haben wir nur Unifarbene Dinger. Wir versprechen ihr, nächstes mal interessantere Feuerzeuge mit zu bringen. Der Küstenstrasse auf der Westseite gegen Süden folgend, erreichen wir wieder Saint Florent und unser Hotel.

Tag 4:

Desert des Agriates

Der vierte Tag sollte ganz dem „Wüstenfahren“ gewidmet werden. Wiederum recht spät machen wir uns auf den Weg. Diesmal in Richtung Südwesten auf der D8. In Casta fahren wir erst am Einstieg vorbei. Ich habe die kleine Strasse, welche Rechts von der D81 abzweigt, gar nicht gesehen. Ich habe nur gemerkt, dass sich das Navi immer weiter vom nächsten Wegpunkt entfernt. So starten wir einmal mehr ein Wendemanöver und biegen schlussendlich doch noch in die kleine Seitenstrasse ein. Schon bald wird aus dem einspurigen Asphaltsträsschen ein herrlicher Schotterweg. Auf der Karte ist nur noch ein Weg verzeichnet. Sonst nichts. Wir fahren am Rande eines Weinanbau Gebiets und sehen nur in der Ferne den Betrieb des Weinbauern. Wir passieren ein Tor, wo ‚Propriete Privee‘ drauf steht. Das Tor ist offen und so wage ich mich weiter vor. Schliesslich bin ich ja Tourist und spreche kein Französisch und falls sich jemand gestört fühlen sollte, kann ich ja immer noch umdrehen. Erst glaubte ich, ich sei falsch. Eben wegen dem Tor und dem Schild. Aber tatsächlich! Der GPS Track vom meinem Vorfahrer zeigt richtig. Ich bin nicht falsch. So kommen wir an einem einsamen Wohnhaus vorbei. Es stand zwar ein Auto vor der Tür, aber ausser einem Rudel Hunden, welches uns mit Gebell begrüsste, war niemand zu sehen. So folge ich unbeirrt der Tatsache, dass uns das Rudel verfolgt und meine Frau auf dem Sozius kreischt vor Angst, dem Track. Mit rücksichtsvollem Tempo fahre ich um das Haus herum und folge weiter dem Weg. Noch ein paar mal sollte mir nicht klar sein, wie es weiter gehen sollte, aber zu guter letzt kommen wir am Golfe de Saint Florent an einen wunderbaren Strand. Dieser scheint auch den Kühen aus der Gegend gut zu gefallen. Ein paar einheimische sind mit Ihren Landrovern da und veranstalten ein Picknick mit Grill. Wir verweilen einige Zeit am Strand und sammeln Muscheln. Trotzdem wird es Zeit, so langsam den Rückweg anzutreten. An einer kleinen Steinhütte fahren wir an zwei Pickups vorbei. Diese sind mit „Forstamt“ angeschrieben. Die zwei Herren unterhalten sich und schauen uns nur hinterher. Von den schlechten Offroad Bedingungen in der Schweiz geplagt, fahre ich im Schritt Tempo an den beiden vorbei, winke und grüsse ganz freundlich auf Französisch. Keine Reaktion der beiden. Nur so eine Art leichtes Kopfnicken und sie schauen uns nach. Mehr nicht. Natürlich folgen wir weiterhin dem Track. Mir wird aber schnell klar, dass dieser ohne Sozia und Topcase erstellt wurde. Wasserdurchfahrt nach Wasserdurchfahrt, gefolgt von Tiefsand und so ausgewaschene Strassenteile, dass man die halbe Adventure darin versenken könnte. So tuckern wir unbeirrt im ersten, maximal zweiten Gang weiter dem Track entlang. Bis die Strasse abruppt zu Ende ist – Und diese endet in einem See. OK. Der Winter ist gerade Rum, es wird Frühling auf der Insel. Regenfälle, Schneeschmelze und was weiss ich was sonst noch, haben wohl dazu geführt, dass sich das Wasser an dieser Stelle gesammelt hat. Ich bin mir fast sicher, dass im Hochsommer von dem Wasser heir keine Spur zu sehen ist. Da ich die Strasse aber nicht kenne, beschliesse ich umzudrehen. Schliesslich will ich ja kein Risiko eingehen. Auf dem Rückweg zur Verzweigung, wo ich die beiden Forst Beamte getroffen habe, fahren uns die beiden entgegen. Ich fahre natürlich ganz an den Rand und gebe dem Herrn zu verstehen, dass er anhalten soll. Freundlich fragt er was los sei und ich versuche ihm so gut wie möglich zu verklickern, dass die Strasse unter Wasser sei und er nicht weiter zu fahren braucht. Er lacht nur uns meint kein Problem. Bedankt sich und wünscht uns einen schönen Tag. Noch lange rumpeln wir im Schritt tempo durch die Desert des Agriates bis wir dann bei Casta wieder Asphlat unter die Reifen bekommen. Wir folgen der D81 zurück nach Saint Florent. Da es aber doch noch etwas zu früh ist, um ins Hotel zu fahren, entschliesse ich mich spontan, nach Rechts, statt nach Links abzubiegen. Wir fahren auf der D62 über San Pietro di Tenda, Pieve und Rapale auf die D82, welche uns dann über Oletta und Patrimonio zurück nach Saint Florent bringt.

Tag 5:

„Tarmac Day“

Der letzte, ganze Tag, der wir auf der Insel verbringen konnten, sollte ganz in Zeichen des Asphalts stehen. Schon am Vorabend hat meine bessere Hälfte über Schmwerzen im ganzen Körper geklagt. Na ja, Offroad als Sozia ist sicher nicht so toll, wenn man es nicht gewohnt ist. So habe ich ganz schnell meinen ursprünglichen Plan verworfen, dem Offroad Track weiterhin zu folgen. Eine Alternative musste her. Nur Asphalt, möglichst einsame, verwundene und verkehrsarme Strassen. Nicht all zu schwer, in der Vorsaison so was auf Korsika zu finden. Wiederum starten wir in Südwestlicher Richtung aus dem Ort Saint Florent. Und folgen der D81 nach Westen, bis wir auf die N1197 kommen. Da die Strasse für meinen Geschmack etwas zu breit und gut ausgebaut ist, musste ich schnell einen Blick auf die Karte werfen. Da war sie, die kleine Seitenstrasse, welche uns nach Bocca a Croce bringen sollte. Die Karte hat nicht zu viel versprochen. Eine Strasse genau nach meinem Geschmack. Diese brachte uns auf die N197, welche ich zur Schonung des Popo's gewählt hatte, nach Ponte Leccia. Unterwegs nach Ponte Leccia haben wir noch einen Zwischenhalt in einem Restaurant, direkt an der Strasse eingelegt. Ein Sandwich mit Korsischem Rohschinken und ein Kaffee war genau das Richtige. In Ponte Leccia haben wir noch kurz einen Supermarkt aufgesucht. Was zu Knabbern und zu Trinken für am Abend im Hotel. Von Ponte Leccia aus folgten wir der D193 bis wir dann in die D5 abzweigten, welche uns nach Murato brachte. In Murato steht diese kleine Kirche. Uralt und aus hellen und dunklen Steinen zusammen gebaut. Ein kleines Wunderwerk. Nur leider konnten wir die Kirche nur von aussen bewundern und dies aus einigen Entfernung. Das kleine, schmucke Ding steht unter Denkmalschutz und wird offenbar auch gut gehegt und gepflegt. Von Murato ging es dann zügig über Oletta zurück zum Hotel in Saint Florent. Alles in allem ein toller Ausflug, auch wenns nur auf Asphalt war – Und das Derriere meiner Frau konnte sich auch etwas erholen.

Tag 6:

Heimreise

Der letzte Tag war angebrochen und uns stand die Heimreise bevor. So nutzten wir noch einmal die Gelegenheit, um in die kleine Strandbeiz von unserem zweiten Tag auf der Insel zu fahren. Natürlich musste ich nicht lange die Speisekarte studieren. Ich bestellte umgehend wieder ein Steak Rochefort. So konnten wir noch einen gemütlichen Mittag verbringen und die letzten paar Kurven unter der Sonne Korsikas geniessen. Unser Schiff legte pünktlich um 15:00 Uhr ab. Der üble Kaffe an Bord wird nach ein paar Stunden Dein bester Freund und die Motorrad klamotten zwicken überall. Trotzdem war die Überfahrt nach Italien angenehmer, als die Anreise. Der Seegang war nicht annähernd so stark. Noch ein letztes Mal den Wetterbericht über Wap studiert, solange man noch Empfang auf dem Handy hat. Gemäss des Wetterberichts sollte uns in Italien übelstes Regenwetter begrüssen. Am darauf folgenden Tag sollte es aber aufklahren und schön werden. Es stellte sich die Frage, wie wir die Heimreise gestalten sollten. Wenn ich alleine unterwegs bin, ist das Ziel eigentlich immer klar. Nach Hause, egal wie das Wetter aussieht. So trotze ich dann immer allen Widrigkeiten die Petrus zu bieten hat. Da ich aber nicht alleine unterwegs war, musste ich mich anpassen. Ich konnte meine bessere Hälfte zu guter letzt doch noch überzeugen, dass wir, einmal in Livorno angekommen, dann entscheiden wie wir weiter vorgehen. Eins war auf jeden Fall klar – Eine weitere Nacht in dem vesifften ein Sterne Hotel für 50 Euro kommt nicht in Frage. In Livorno angekommen, war das Wetter wieder erwarten besser als der Wetterfrosch prophezeiht hatte. Hie und da ein Tropfen, sozusagen trockene Wetterbedingungen. Die Temperatur war eigentlich auch recht angenehm. Da wir erst um 19:00 uhr vom Schiff gefahren sind und uns die Köstlichkeiten der Schiffskombüse eher weniger überzeugten, überredete mich meine Frau, einen Zwischenhalt bei McDonalds einzulegen. Gewohntes Essen in gewohnter Umgebung eben. Das Essen habe ich eigentlich recht zügig erhalten, aber als ich dann später noch einen Kaffee holen wollte, bin ich fast abgedreht. Über 45 Minuten habe ich angestanden, für einen doofen Kaffee. „Der muss ja bescheuert sein!!“, denkst Du jetzt wohl! Normalerweise müsste ich Dir recht geben, aber Du kennst meine Frau nicht, wenn sie Ihren regelmässigen Kaffeefix nicht bekommt! Und irgendwann kommst Du an den Punkt, wo Du Dir sagst „Jetzt stehe ich schon so lange hier an, jetzt geh ich hier nicht mehr weg!“ Nach mehr oder weniger entspanntem Abendmahl setzten wir unsere Reise Richtung gelobtes Land fort. Da es noch immer trocken war, entschlossen wir uns, noch ein Stück weiter zu fahren, bis es anfängt zu regnen. So bretterten wir mit Seitenkoffern, einem Topcase und TKC80 Reifen mit teilweise 170 Km/H Richtung Milano. Entgegen Landläufiger Meinung und diversen Testberichten in einschlägigen Motorrad Zeitschriften, stellte ich kein Lenkerflattern bei der LC8 fest. Milano lag schlussendlich hinter uns und wir flogen förmlich gegen Chiasso. Angesichts der noch immer trockenen Witterung und doch schon fortgeschrittener Uhrzeit, befanden wir die Entscheidung weiter zu fahren als richtig. Schliesslich wartete im tessin ja ein Auto mit Anhänger auf uns, wo wir zur Not noch ein paar Stunden schlafen könnten. Kurz vor der letzten Zahlstelle fing es dann doch noch an zu regnen. Und wie! Es goss regelrecht aus allen Schleusen und wir kahmen nicht drum herum, unseren Regenschutz überzuziehen. An der Raststätte Coldrerio mussten wir noch einen Tankstopp einlegen. Nicht zuletzt um unsere Helmvisiere wieder klar zu bekommen. Laut Navi noch 45 Minuten bis zum Auto. Das war dann auch noch zu schaffen. Schlussendlich konnten wir uns aus den nassen Klamotten pellen das Auto warmlaufen lassen und die Kati in ihr mobiles Zuhause schieben. Es war doch schon 1:30 Uhr Morgens, als wir im strömendem Regen die Heimfahrt aus dem Tessin mit dem Auto in Angriff genommen haben. Um ca. 4:00 Uhr Morgens kahmen wir dann in Interlaken an. Ein Bett war der grösste Wunsch und als unsere Köpfe die Kissen berührten waren wir auch gleich weg. Am nächsten, späteren Morgen war dann alles nur noch Routine. Alles ausladen, zum trocknen aufhängen, kleiner „Service“ bei Kati, ect.

Fazit:

•  Ich werde sicherlich wieder einmal nach Korsika fahren. Ganz bestimmt auch wieder in der Vorsaison. Aus dem einfachen Grund, dass ich das Gefühl hatte, die Insel für mich alleine zu haben. Ausser den Einheimischen haben wir praktisch keine Touristen wahrgenommen.

•  Beim nächsten Besuch auf Korsika in der Vorsaison, würde ich aber auf ein Hotel verzichten. Ich würde nach Möglichkeit versuchen ein Ferien Appartment zu bekommen. Einfach nur, um selber Abendessen kochen zu können. Wir hatten nähmlich echt Schwierigkeiten, Retaurants in der Nähe zum Essen zu finden, welche geöffnet hatten und irgendwie hat man, nach ein paar Mal in der gleichen Fressbeiz, die Speisekarte bald einmal gesehen. In einem der 3 Spar Supermärkte in Saint Florent bekommt man alles, um sich ein leckeres Essen selber zu zaubern. Dazu kommt, dass die Getränkepreise in den Restaurants für Eistee, Cola, ect. absoluter Wucher sind. Durchschnittlich 3 bis 4 Euro für 2 bzw. 3 dl Fläschchen. Wenn man sich selbst bekocht und die Getränke im Spar einkauft, kommen die Preise für 1 ½ und 2 Liter Flasdchen auf Schweizer Niveau. Das Essen a la Carte wird auch ungefähr zum Schweizer Tarif von normalen Speiserestaurants verrechnet.

•  Das nächste mal würde ich mit Auto und Anhänger bis auf die Insel anreisen. Die Fähre kostet so zwar ein paar Euro mehr, jedoch ist die Anreise um einiges Angenehmer. Nicht zuletzt wegen dem zum Teil schlechten Wetterbedingungen und kühlen Temperaturen in der frühen Jahreszeit. Da auf der Insel selber touristisch so früh noch nicht viel los ist, sollten die Hotels auch genügend Platz haben, um Auto mit Anhänger zu parken und stehen zu lassen. Bei einem Appartment sollte die Parkmöglichkeit für Auto und Anhänger auch kein Problem sein.

•  Die Überfahrt mit Moby hat uns 135 Euro gekostet. Dies beinhaltet das Motorrad mit zwei Personen, Hin und Zurück. Route Livorno – Bastia – Livorno.

•  Hotel ohne Frühstück (Auf eigenen Wunsch) belief sich auf 47 Euro für das Doppelzimmer pro Nacht. Das Zimmer im Hotel ‚Le Galets‘ in Saint Florent war mit Bad (Dusche, WC, Waschbecken), Telefon, Kühlschrank und TV ausgerüstet. Grosse Terrasse mit herrlichem Blumengarten direkt vor dem Zimmer. Ein gutes Bett tat sein übriges zum angenehmen Aufenthalt. Allerdings wurde es Nachts doch empfindlich kalt. Die Zimmer verfügten über keine Heizung und die Bettwäsche war auf Hochsommerliche Temperaturen im Mittelmeerbereich ausgelegt. So mussten wir noch um extra Decken bitten. Also würden beim nächsten Besuch eventuell die Schlafsäcke ihren Weg ins Gepäck finden.

•  Der Parkplatz für das Motorrad im Hotel Le Galets war auch sehr gut. Entweder direkt vor der Terrasse zum Zimmer uder hinter dem Gebäude, vor den „Haupteingang“ zum Zimmer. Ausserdem ist das Ganze Areal eingezäunt, bzw. eingemauert und die Zufahrt verfügt über ein Tor, welches um 23:00 Uhr geschlossen wird. Man bekommt aber eine Fernbedienung zum Tor. So kann man jederzeit das Areal mit dem Fahrzeug verlassen.

•  Autobahngebühren. Das leidige Thema! Wir brauchen in der Schweiz wegen 40 Franken im Jahr für die Vignette wirklich nicht zu jammern. Die Gebühren für die Autobahn in Italen, beliefen sich auf rund 70 Euro, Hin und Zurück. Dies kostet natürlich mehr, wenn man mit Auto und Anhänger anreist.

•  In die Steckdosen auf Korsika passen 2 Polige Schweizer Stecker. Z.B. für ein Handy Ladegerät.

•  Infos zum Hotel: http://www.hotel-lesgalets.com/

•  Infos zur Fähre: http://www.mobylines.de

•  Besondere Vorsicht ist auf unübersichtlichen Strassen geboten. Die Korsen haben die Angewohnheit, Kurven zum Teil massif zu schneiden.

Fotoalbum zur Tour