Am Grossen Sankt Bernhard

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die alte Tendestrasse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LGKS - Ligurische Grenzkammstrasse


Tag 1: Nach etlichen Emails und PM's im LC8 Forum, war es dann am 19. August 05 soweit. Die Beiden Forumianer George und Micha kommen bei mir in Interlaken am Freitagabend an. Im Schlepptau ein Anhänger mit den Mopeds von den beiden und schlechtes Wetter. Es wird nicht lange gefackelt. Mopeds runter vom Hänger, das nötigste aus dem Gepäck gekramt, Auto und Anhänger parkiert und Zimmer bezogen. Da es schon recht spät ist, wir auf ein riesiges Menü verzichtet. So mache ich ein wenig Pasta.

Am Morgen dann ein sehr ähnliches Bild. Regen! Was wir noch nicht wussten, dass uns der Regen noch einige Zeit erhalten bleibt. Während Micha und Georg ein 'Petit de jeaune' zu sich nehmen, packe ich meine Sachen, die ich auf die Tour mitnehmen will und belade mein Moped. Irgendwann am späteren Vormittag geht es dann los. Richtung Eisenwarenhandlung. Micha fehlt eine Schraube am Kofferhalter. Gesagt getan. Nun aber los. Schnell ist entschlossen, dass wir bei diesem Wetter den Autozug ins Wallis nehmen. Wir fahren im grössten Regen nach Kandersteg. Dann kommt Micha. Schraube am Krümmer verloren. So gehen wir auf die Suche nach einer Autowerkstatt. Schnell haben wir eine solche gefunden und Glück haben wir auch noch. Es ist noch jemand da. Die passende Schraube gesucht und gut ist. Ach ja, die Schraube, welche Micha in der Eisenwarenhandlung geholt hatte, war zu lang. Eisensäge raus, kürzen, passt! Wozu eine Autowerkstatt doch alles gut sein kann. Mit den besten Wünschen entlässt uns dann der Werkstattbesitzer und wir reiten weiter Richtung Autozug.

Im Wallis schönes Wetter! Was für eine Freude. Alpensüdseite eben! Wir machen uns und unsere Mopeds reisefertig und verlassen Goppenstein. Im Tal führt uns unsere Etappe auf den Grossen Sankt Bernhard Pass, wo uns das schlechte Wetter nun so langsam aber sicher wieder einholt. An der Grenze zu Italien lässt sich der italienische Zöllner Zeit. Wir warten ewig, bis er den Schwatz mit seinem Landsmann beendet hat, bis er diesen und uns passieren lässt.

Aosta - Torin - Carema - Ivrea - Volpiano - Umfahrung Turin - Beinasco - Vinovo, brachten wir im Regen recht zügig hinter uns. Da es aber schon langsam dunkel wurde und die Sicht mit getönten Helmvisier und Brillengläsern, nachts im Regen nicht unbedingt besser wird, entschliessen wir dreistimmig eine Übernachtungsgelegenheit zu suchen. Wir haben zwar Zelt und Schlafsack dabei. Angesichts des Dauerregens entschliessen wir uns aber ein Hotel aufzusuchen. In Piobesi Torinese werden wir dann fündig. An der Türe steht geschlossen. Trotzdem versucht es Micha. Die Tür ist offen. Nach einer Minute kommt er wieder raus. Geht in Ordnung. Die Nonna macht uns den Hinterhof auf, wo wir die Mopeds parkieren können und zeigt uns unser Zimmer. Sie gibt uns zu verstehen, dass sie nicht viel im Hause hat, um uns ein grossartiges Menü zu kochen. Also bekommen wir eine Suppe, Spaghetti, ein Dutzend frisch gekochte Eier, Ein Kilo Gorgonzola Käse, Schinken, Salami, warmer Ruccola und frische Feigen. Ein super Preis und sogar Rauchen war in der Gaststube erlaubt. Was will man mehr.

Tag 2: Frisch gestärkt, ausgeschlafen und mit halbwegs trockenen Motorradstiefeln machen wir uns auf den Weg zum Tendepass. Das Wetter ist und gnädig. Es scheint trocken zu bleiben. Also entschliessen wir uns, die Regensachen vorerst nicht zu montieren. So rauschen wir über die Poebene nach Saluzzo - Cuneo - Borgo San Dalmazzo - Roccavione - Robilante - Vernante - Limone Piemonte. Mittlerweilen hat uns auch der Regen wieder. So fahren wir mehr oder weniger im Nebel den Tendepass hoch zum Fort Central. Trotz des schlechten Wetters, der Graupelschauer und den frischen Temperaturen, lassen wir es uns nicht nehmen, ein Teil des Forts zu besichtigen. Wir fahren dann die alte Tendestrasse mit ihren Spitzkehren runter nach Tende. Da habe ich es doch tatsächlich fertig gebracht, mich nach einem Verbremser hinzulegen. Auf und dann weiter nach Fontan - Breil sur Roja - Airole - Trinita - Dolceaqua. Da es noch recht früh ist machen wir noch eine kleine Rundfahrt auf kleinen Strässchen, wo gerade mal ein Auto Platz hat über Isolabona - Apricale - Baiardo - Badalucco - Montalo Ligure - Molini die Triora nach Triora. Eigentlich wollten wir ein Hotel in Triora suchen. Da aber ein riesen Fest im Gange war, war es unmöglich eine Unterkunft zu finden. Also haben wir uns entschlossen, etwas zurück zu fahren um eine Übernachtungsgelegenheit zu finden. So fahren wir zurück über Castel Vittorio - Pigna - Isolabona. In Dolceaqua finden wir dann ein Bed and Breakfast. Schnell ist die Sache mit dem Preis beschlossen und das Zimmer bezogen. Abendessen haben wir dann ein einer Pizzeria in Dolceaqua zu uns genommen. Mit live Musik vom Marktplatz.

Tag 3: Das Wetter hat sich recht gebessert über Nacht. Es ist zwar noch etwas bewölkt. Die Wirtin des B+B's meint aber, dass es trocken bleiben soll. Also nehmen wir die Ligurische Grenzkamm Strasse in Angriff. Nachdem wir unsere Motorräder beladen und aufgetankt haben, fahren wir wieder Tal aufwärts nach Pigna. Ungefähr in der Hälfte zwischen Pigna und Triora kommt dann die Abzweigung für die LGKS. Bei der Koordinate N43 59.439 E7 41.054 machen wir uns und unsere Mopeds dann bereit für das Abenteuer. Öl Kontrolle, Luft bei den Reifen ablassen, Gepäck festzurren und so weiter. Schon kommen auch schon die ersten Trialfahrer mit ihren Hosentaschen Mopeds den Berg herunter. Ohne Motor, im Leerlauf. Sie halten an und fragen uns, ob wir etwas Benzin bei uns haben. Selbstverständlich helfe ich den beiden mit meinen 5 Liter Kanister und etwas Öl aus. Zum Gegenzug sind die beiden so freundlich und geben uns einige Tipps mit auf dem Weg. Nachdem wir uns verabschiedet haben, gilt es auch für uns ernst. So starten wir guter Dinge in die LGKS. Der Untergrund ist hart und steinig. Kaum loses Geröll. So kommen wir zügig voran. Beim Wegpunkt N44 01.939 E7 40.591 kochen wir uns einen Kaffee. Wir sind uns nicht schlüssig, wie wir weiter fahren sollen. Rechts oder Links an der Verzweigung? So fragen wir ein Pärchen welches mit der A-Klasse bei uns anhält, um Rat. Zitat Micha: "Wir machen ein Abenteuer daraus und die fahren mit der A-Klasse hier hoch!" Nach ein paar freundlichen Worten verabschieden wir uns und die Endurogruppe ratlos am Hang macht sich wieder auf den Weg. Wenig später kommen wir noch einmal an eine Verzweigung, wo wir eine Herde Schafe antreffen. Wir fragen den Hirten nach dem Weg. Der Hirte, der uns den linken Weg als besser auswies, war auch nicht schlecht, aber an einigen Stellen etwas schlammig.

Kurz vor dem Pas del Tanarel treffen wir einen Österreicher auf einer 600er Honda. Er hatte Georg beim Moped aufheben geholfen, da ihm in einer Spitzkehre der Motor ausgegangen war und er die Käthe sanft abgelegt hatte. Wir kommen ins Gespräch und staunen nicht schlecht, als er uns sagt, dass wir von hier aus in drei Stunden am Tende sein sollen. Ganz enttäuscht von der angeblichen Kürze der ach so sagenumwobenen LGKS halten wir auf dem Pas del Tanarel an. Wir zaubern uns mit unseren Benzinkochern ein Mittagessen mit Kaffe. Allerdings ist man hier oben nicht alleine. Es kommen immer irgendwelche Jeeps und Mopeds daher gefahren. So treffen wir noch einen Landsmann von Micha und Georg auf seiner Suzuki, welcher auch noch ein Mittagessen und einen Kaffee bekommt. Da wir der festen Überzeugung sind, in drei Stunden am Tende zu stehen, eilt es uns auch nicht wirklich. So machen wir noch einen Abstecher zum Redentore bevor wir dann weiter Richtung Monesi fahren. Bei der Verzweigung nach Monesi verabschiedet sich dann Georgs und Michas Landsmann von uns. Er fährt weiter runter nach Monesi, während wir weiter auf der LGKS fahren.

Immer wieder halten wir an, um die Aussicht zu geniessen und Fotos zu machen. Zwischendurch kreuzen wir wieder ein paar Geländewagen. Der Untergrund der LGKS ist wie eine Schotterpiste eben so ist. Wir wandern weiter an zum Teil recht psychisch anspruchsvollen Passagen vorbei, immer eine atemberaubende Aussicht im Hintergrund. Die LGKS führt uns durch den Parco Alta Valle Pesio E Tanaro, einem Nationalpark der sich auf der italienischen Seite befindet. Überall Schilder, dass Campen, Grillieren und den Weg verlassen verboten ist. Die LGKS zieht sich durch wunderschöne Wälder, vorbei an Murmeltieren und Gemsen. Es ist schon eine einsame Gegend. Trotzdem begegnet man immer Leuten die mit dem Jeep oder dem Motorrad unterwegs sind. Nur zwei Mountainbiker treffe ich auf der ganzen LGKS an. Alle Brunnen und Bachbeete sind trocken. Bin ich froh, dass ich heute Morgen noch eine Flasche Wasser gekauft habe. Plötzlich habe ich das Gefühl, dass wir wieder in die Zivilisation kommen. Kühe und Alphirten treffen wir an. Mit ihren Schaf- und Ziegenherden. Ich fahre ein Stück voraus, um von Micha und Georg ein paar Videoaufnahmen zu machen.

Während Georg weiter fährt, hält Micha bei mir an. Uns ist da so eine Idee gekommen. Wir befestigen die Kamera mit Klebeband an Michas Helm, um ein paar Meter LGKS fahrend festzuhalten. Natürlich dauert es eine Weile und uns kommt der Gedanke, dass sich Georg wohl so langsam aber sicher Sorgen machen muss. Auf jedenfall bekommen wir den Winkel auf dem Helm mit der Kamera einigermassen hin. So fahre ich voraus, während Micha mir mit Helmkamera folgt. Wir fahren und fahren und von Georg keine Spur. So machen wir uns langsam Sorgen. Bis wir um eine Kurve herum kommen, wo eine kleine Alphütte steht. Zwei Hirten stehen draussen und Georg sitzt bei ihnen mit Kaffee. So gesellen sich Micha und ich auch dazu. Die beiden fragen nach Zigaretten. Da Georg nicht raucht, hat er die zwei Hirten an uns verwiesen. Da ich noch ein Packet Zigaretten auf Reserve hatte, habe ich es den beiden überlassen. Wir verstehen alle drei kein Italienisch und die beiden Hirten kein Deutsch. Aber schon bald haben wir es lustig und verstehen uns prächtig mit den beiden. Bei selbstgemachter Wurst und Brot erzählen die beiden uns vom Leben auf der Alp und was so alles auf der LGKS passiert. Nach gut zwei Stunden machen wir uns mit einer Flasche Wein, welche wir von den beiden geschenkt bekommen haben, auf die Weiterfahrt. So langsam fragen wir uns aber trotzdem, wie der Österreicher das in drei Stunden geschafft haben soll? Mal den Zwischenhalt mit Verpflegung bei den Hirten abgesehen, sind wir doch schon gut und gerne 5 Stunden unterwegs. Und der Tende ist noch nicht in Sicht.

Bis dahin war die LGKS eigentlich sehr gut zu befahren. Doch von den Alphirten an, hat sich die LGKS verändert. Die Steine werden grösser, der Untergrund loser. Steinplatten und kleine Tritte, gemischt mit grossen Steinen machen das ganze nun etwas anspruchsvoller zum fahren als bis noch vor kurzem. Dazu kommen noch die Geschichten über abgestürzte Motorradfahrer der Hirten, die mir noch immer im Hinterkopf herumgeistern. Doch auch hier. Fahrtechnisch nicht wirklich Schwierig. Nur Psychologisch! Felswand - Knapp 1,8 Meter breite Strasse - 30 Meter Abgrund - Kein Geländer - Rumpeliger Untergrund. Konzentration ist angesagt. Nicht zu schnell und immer der Felswand entlang. Doch auch dieser Teil hat ein Ende und wir beginnen mit dem Abstieg zum Tendepass. Beim Fort Central angekommen, bauen wir unsere Zelte auf. Bereiten so etwas wie ein Abendessen vor und geniessen die Flasche Rotwein, welche wir von den Hirten bekommen haben. Ein gelungener Tag! Doch die Angaben des Österreichers waren falsch.

Fazit: All die Berichte welche man im Internet findet über die LGKS sind zum Teil recht verwirrend. Ich weiss nicht ob dies absichtlich ist. Doch es heisst Stollenreifen unbedingt! Nehmt ja alles mit! Essen für drei Tage! Zelt ect. Desshalb sind wir drei auch mit völlig falschen Vorstellungen gefahren. Wir glaubten, dass man Tage weg von der Zivilisation ist und man einen Tag fährt, bis zum Fort Central und dann wieder einen Tag, um in die Zivilisation zurück zu kehren.

Das Zelt hätte man nicht gebraucht, denn ein paar hundert Meter unter dem Fort Central gibt es ein grosses Refugio, wo man sicher auch übernachten kann. Sonst ist man in 15 Minuten unten in Limone Piemonte.

Unsere LC8 waren mit der Originalbereifung, dem Pirelli Scorpion ausgestattet. Georg und Micha hatten neue Skorpions drauf, meine waren über die Hälfte abgelatscht. Wir hatten noch Seitenkoffern und Gepäckrollen dabei. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass ich jetzt Stollen gebraucht hätte. Die Verhältnisse waren zwar trocken an dem Tag und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es bei Nässe schon anspruchsvoller wird. Aber wer will schon auf eine solche Tour im Regen?

Die Wasserversorgung hingegen verlangt schon etwas Aufmerksamkeit. Es gibt nirgends Brunnen oder Bäche die Wasser führen. Ich habe jedenfalls keine gesehen. Wir hatten Glück mit den Temperaturen, doch wenn es wirklich heiss wird trinkt man automatisch mehr.

Die 5 Liter Benzin habe ich auch umsonst mitgeschleppt. Die 22 Liter Tankinhalt der LC8 reichen wirklich ohne Probleme! Nicht zu vergessen, dass Wir noch Gepäck dabei hatten! Meine Reservelampe hat erst am darauf folgenden Tag angefangen zu blinken und die kommt bei ca. 18 Liter, bzw. 4 Liter Reserve.

Nochmal die wichtigsten Punkte in Kürze:

  • Stollenreifen müssen bei trockenen Verhältnissen nicht sein!
  • Die LGKS ist mit der LC8 inklusive Gepäck problemlos zu befahren!
  • Genügend Wasser mitnehmen! Lieber zuviel als zuwenig.
  • 22 Liter Tankinhalt reichen gut für die LGKS.
  • Eine Stange Zigaretten für die beiden Hirten dabei haben!
  • Zelt und Schlafsack braucht man nicht! Es ist zwar eine Tagestour, aber man ist früh genug am Tende, um noch in Limone Piemonte eine Unterkunft zu suchen.
  • Das übliche Reparatur Material (Reifenpannen) würde ich immer mitnehmen! Wir sind zwar davon verschont geblieben.
  • Fahrtechnisch nicht wirklich schwierig, sondern Psychisch anspruchsvoll!

Ich bin kein Experte im Gelände fahren und habe auch nicht so viel Erfahrung darin. Aber ich hatte nie wirklich Schwierigkeiten oder bedenken, dass ich das mit der Ausrüstung und Bereifung die ich montiert hatte nicht packe. Ich werde wieder einmal gehen, keine Frage! Aber beim nächsten mal nur ein kleines Gepäckstück, ohne das ganze Gerümpel. Das hier ist nur ein Erlebnisbericht von mir! Was bei mir ist, muss bei Dir nicht sein!!!!

Kommentar von Micha: "Desweiteren glaube ich, daß Stollen auch nicht bei Regen ein muß sind. Die glatten Waldpassagen, die bei Regen hätten gefährlich werden können, sind alle eben und flach. Bei dem groben Schotter läuft das Wasser ab und du fährst "im Trockenen". Also von Stollen keine Spur."

Fotoalbum des LGKS Raid 2005