Slovenia Gravel


Eine Tour mit KTM Adventure Tours

Geplant war ursprünglich ein verlängertes Wochenende mit KTM Adventure Tours zu verbringen. Doch als ich mir mal ein wenig Zeit genommen habe, im Denzel für die Ostalpen herum zu blättern, habe ich schnell heraus gefunden, dass aus dem Kurztrip wohl nichts wird.

Ich war bis dato noch nie in der Ecke von Italien unterwegs. OK, Venedig habe ich schon besucht, aber alles was nördlich davon liegt, war "Neuland" für mich. Schon bald durfte ich heraus finden, dass das Friaul eine fantastische Gegend ist, mit unzähligen Kurven und einer interessanten Vergangenheit.

Schon Wochen vor Reisebeginn packte mich das Reisefieber. Ich konnte schlecht schlafen, die Tage krochen nur so dahin und das erste Mal richtigen Urlaub in diesem Jahr. Die Woche für den LGKS Raid wurde mir auf Grund der Auftragslage von meinem Arbeitgeber gestrichen. Umso aufgeregter und voller Vorfreude war ich. Da war unser Wohnungsumzug eine willkommene Abwechslung, um mich ein wenig abzulenken.

1. Tag: Am 19. September war es dann soweit. Die Koffer waren gepackt, die Anreise nach Kobarid stand mit allen Zwischenzielen fest. Um Zeit zu sparen und vorwärts zu kommen, verzichtete ich auf die heimische Passwelt und entschied mich für das erste Stück Autobahn zu fahren. So fuhr ich über den Brünig Richtung Luzern auf die Autobahn über Chur nach Thusis. Von wo aus ich dann nach Tiefencastel über den Julierpass nach Sankt Moritz gelangte. Kurzer Zwischenstopp in Sankt Moritz und weiter ging es über den Ofenpass nach Müstair. Geplant war urprünglich über das Stilfserjoch ins Südtiol zu gelangen. Da es aber bereits am Julier empfindlich klat war und ich das Stilfserjoch schon mehrmals befahren habe, entschied ich mich im Tal zu bleiben und fuhr aussen rum nach Meran und schliesslich über die Autobahn nach Bozen, von wo aus mich meine Reise auf der Schnellstrasse weiter gegen den Brenner führte. Durch das Pustertal über den Kreuzbergpass gelangte ich dann nach Campolongo, wo mich mein erstes Zwischenziel erwartete. Da es aber schon spät war, machte ich mich auf die Suche nach einem Hotel.

Mit dem Hotel Genzianella in Campolongo habe ich dann ein nettes, kleines Hotel gefunden, welches mich beherbergt hat. Das Essen war ausgezeichnet und die Bedienung sehr freundlich.

2. Tag: Am Morgen des zweiten Tages hatte ich erst einmal einen Schock. Alles tiefgefroren. Die ganze LC8 war mit einer Schicht Reif überzogen. Nichts desto trotz, startete die LC8 sofort ohne Probleme. So machte ich mich auf den Weg zur Forcella Lavardet. Eines der Zwischenziele, die ich mir vorgenommen habe, in die Anreise nach Slovenien einzubauen. Eigentlich war die Passage über den Fluss wegen Bauarbeiten gesperrt. Mit der LC8 war jedoch ein Durchkommen kein Problem. Es folgten ein paar Kilometer schönste Schotterstrecke. Wieder auf der Strasse, fuhr weiter Richtung Sella di Razzo. Ein weiteres Schotterhighlight, welches ich auf dem Weg nach Kobarid ansteuern wollte. Leider stimmt der Denzel Ostalpenführer betreffend dem Sella di razzo nicht mehr ganz. Die Strecke ist nun durchgehend asphaltiert. Landschaftlich jedoch nicht weniger reizvoll.

Nichts desto trotz begab ich nich Richtung Passo della Forcella. Im ersten Teil ist sehr viel Asphalt. Kurz nach der Abzweigung zum refugio fängt endlich der Schotter an. Eine gute Schotterpiste führt mich zum Rastplatz, welcher im Denzel beschrieben ist. Der Abstieg nach Mione entpuppt sich, wie im Denzel beschrieben, als sehr steil und grob geschottert. Jedoch mit der LC8 ist auch dieses Teilstück, sogar mit Seitenkoffern, problemlos zu meistern. Einzig die Hinterradbremse musste leiden. Ich sah mich zu einem späteren Zeitpunkt gezwungen, die Beläge zu wechseln.

Weiter führt die Reise Richtung Norden, zum Einstieg der Panoramica delle Vette. Wiederum ein Zwischenziel, welches ich eingeplant hatte. Der Eistieg ist leicht zu finden und für Spitzkehren Fetischisten ein wahrer Leckerbissen. Allerdings darf man nicht zu sehr in den Kurvenrausch geraten, da die Strecke doch recht unübersichtlich ist und jederzeit mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Der gesamte Auf- und Abstieg ist geteert. Nur die Scheitelstrecke ist geschottert. Ein paar Murmeltiere säumen den Weg.

Von Sutrio aus fahre ich dann weiter nach Travis. Da ich meine geplanten Zwischenziele abgeklappert hatte nahm ich den schnellen, aber nicht weniger schönen Weg Richtung Predelpass. Dort wurde ich dann von der Italienischen Grenzwache zu ersten Mal in meinem Leben für eine Kontrolle angehalten. Bis dato liess man mich mit dem Motorrad an jeder Grenze passieren. Nachdem alle Fragen beantwortet wurden, setzte ich meine Reise Talwärts fort und schon bald erreichte ich Kobarid. Von dort aus war es dann ein Katzensprung ins Hotel Jazbec in Idrisko.

Bis hier hatte ich nur Euro in der Tasche. Ich wurde informiert, dass die Slovenische Währung der Tollar sei. Meine Bank konnte mir jedoch nicht weiterhelfen. Die hätten den Sloti bestellen müssen und darauf zu warten, hatte ich keine Zeit mehr. So dachte ich, ich wechsle in Slovenien. So frage ich den Hotelbesitzer, wo ich Sloti tauschen könne. Um Himmels willen ja nicht, meinte der nette Herr dann. Sie haben seit Januar den Euro eingeführt und demnächst sind sie dann auch in der Europäischen Union aufgenommen. Alles klar, dachte ich. Keine Probleme mit Euro zu bezahlen.

3. Tag: Erster Tag mit KTM Adventure Tours. Wir waren rund 260 Km auf schönsten Strassen für die LC8 unterwegs. Fragt mich nicht nach Namen von Orten, denn die kann ich nicht aussprechen, geschweige denn merken. Die Orientierung in den Wäldern Sloveniens ist ohne Navi und Ortskenntnisse unmöglich. Der esrte Tag mit KTM Adventure Tours war zum angewöhnen gedacht. Cirka 70% Asphalt und 30% Schotter. Sowas wäre bei uns in der Schweiz schon ein Leckerbissen. In Slovenien normal. Nachdem wir Idrisko Richtung Osten verlassen haben, biegen wir schon bald rechts ab in die Berge. Es folgen schmale, im Wald verwundene Strässchen mit längeren Schotterpassagen. Zeitweise gewähren Lücken im Wald fantastische Ausblicke, welche mit erreichen der Grathöhe einen sagenhaftes Panorama offenbaren.

Zum Abschluss der Tour befahren wir den Vrisic Sattel. Aud fer Nordseite des Vrisic finden wir eine Anreihung von Spitzkehren, welche gepflastert sind. Dies erfordert eine gewisse "Anpassungsphase" an den "neuen" Untergrund. Nach einer Weile wird die "Umstellung" mit grandiosen Bildern der Julischen Alpen belohnt. DEr Vrisic Sattel ist zweifellos einer der eindruckvollsten Passtrassen Sloveniens. Einen äusserts kompetenten Guide und gleichgesinnte LC8 Fahrer tragen ihr ubriges zu einer gelungenen Tagestour bei.

4. Tag: Zweiter Tag mit KTM Adventure Tours. Wiederum haben wir den ganzen Tag die schönsten und verwundensten Bergsträsschen durch die schönsten Waldgebiete gesehen. Die Aufteilung der Tour ist rund 50% Asphalt und 50% Schotter. Schier endlos ziehen sich die Schotterwege durch die Wälder. Die Beschaffenheit der Schotterwege laden regelrecht zum Driften ein. Mit jedem Drift fühlt man sich sicherer und der Spassfaktor ist gewaltig. Das Gebiet in dem wir uns bewegen, ist praktisch menschenleer. Hier und da mal ein Bauernhof oder ein Haus, aber sonst sind wir für uns.

5. Tag: Dritter und letzter Tag mit KTM Adventure Tours. Von Idrisko aus starten wir Richtung Mottec , wo wir eine abgerutschte und mit Geröll überdeckte Schotterstrasse antreffen. Auf den ersten Blick denkt man sich, das wars, wir müssen umdrehen. Aber mit vereinten Kräften hieven wir die Motorräder über das Hindernis. Danach steht ungetrübtem Schotterspass nichts mehr im Weg. Unser Guide führt uns an den Mangart. Das Stichsträsschen ist auch im Denzel Ostalpen Motorradführer beschrieben. Vom Fusse des Mangart erleben wir einen gewaltigen Tiefblick nach Italien und ein sagenhaftes Panorama nach Slovenien.

Vom Mangart zurück auf der Strasse, fahren wir weiter Richtung Predelpass, nach Italien. In der Talsohle fahren wir dann ein Stück Richtung Süden bis uns dann eine äusserst schmale und unübersichtliche Bergstrasse an den Fuss des Stol bringt. Die Italienische Seite des Stol ist mit feinem Schotter bedeckt. Die übersichtliche Bauweise der Strecke erlaubt eine etwas höhere Geschwindigkeit. Auf der Passhöhe des Stol trifft man bei gutem Wetter Gleitschirmflieger, Mountainbiker, Wanderer und so weiter. So ist es selbstverständlich, dass man sich dementsprechend benimmt. Die Slovenische Seite des Stol ist grob geschottert und die Abfahrt rumpelt ganz schön. Um ca. 16 Uhr sind wir zurück im Hotel.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Tourguide. Es war einfach nur Super! Ebenfalls ein Dank an das Team des Hotel Jazbec in Idrisko. Danke für die Gastfreundschaft.

6. Tag: Ich habe mich entschlossen, eine weitere Nacht im Hotel Jazbec zu bleiben. Da es doch keinen Sinn machte, gestern noch zu packen, das Motorrad aufzuladen um noch vieleicht 2 Stunden unterwegs zu sein. So habe ich gestern alles gepackt und aufgeladen und mich noch ein wenig entspannt. Zu meiner grossen Freude war ich nicht der einzige, der diesen Gedanken hatte. Markus aus Deutschland und Norry aus Holland hatten den gleichen Gedanken.

So startete ich zusammen mit Norry recht spät zur Heimreise Richtung Schweiz. Markus war mit dem Auto angereist und fuhr direkt nach Hause, Norry hatte noch Urlaub und ein paar Tage rum zu kriegen. Den Stol wollten wir nicht mit Gepäck fahren und die Hauptstrasse war uns zuwieder. So fuhren wir auf einer Nebenstrasse Richtung Italienische Grenze. Nach langem fuhren wir dann über einen Fluss zur Italienischen Grenze. Der Zöllner fragte nach einer Grenzkarte. Er erklährte uns, dass der Grenzübergang nur für Slovenische und Italienische Staatsbürger mit eben besagter Grenzkarte sei. Wir dachten schon an die 3 Stunden Umweg, als der Zöllner mit uns Mitleid hatte. Schnell die Schranke aufgemacht und unten durch geflitzt. Danke Herr Grenzwächter, für Ihr entgegenkommen. Unsere Route führte uns dann nach Taipana, Buja, San Pietro und Pielungo am Lago dei Tramonti vorbei, Richtung Navarons, Bosplans. Dort passierten wir den Lago di Barcis und fuhren weiter nach Cimolais, San Martino, Rione Santa Catarina, Nevegal, Pranolz. Unerwartet trafen wir dann eine geschotterte Verbindungsstrasse nach Campedei an. Von Campadei aus ging die Reise weiter über den Passo di San Boldo nach Tovena, Guia, Quero und Feltre nach Enego, wo wir dann ein über 100 Jahre altes Hotel gefunden haben, in welchem wir ein Zimmer bekamen.

Tag 7: Letzter Tag der Reise. So langsam dämmert mir, dass ich vieleicht auch ein paar Schnellstrassen einbeziehen sollte, da die Heimat doch noch sehr weit weg ist. Mit holländischer Gemütlichkeit starten wir sehr früh in den Tag hinein, um ein paar Kilometer zu schaffen. Um 10 Uhr geht es dann los. Wir bewegen uns auf gut ausgebauten Strassen nach Stoner, Foza, Roana, Arsiero, Calliano, Prada und Polsa. In Polsa will ich noch eine kleine Zusatzrunde fahren, da ich nicht weiss, wann ich wieder in die Gegend vom Gardasee komme. Auf jedenfall entpuppt sich der Abstecher als Reinfall. Von Schotterpiste ist fast nichts mehr zu sehen und die Strasse ist zudem noch mit zeitlicher Beschränkung gesperrt. Die Reise geht weiter nach Bagolino. Angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit und dem Versprechen am heutigen Abend zuhause zu sein will ich ein wenig Druck machen und die Abrollgeschwindigkeit der Räder etwas erhöhen. Mein zweites Zwischenziel habe ich komplett abgesagt, da die zeit sonst nie reichen würde. Ich drücke weiter Richtung Sonico. Die Kupplung spinnt und das Wetter verschlechtert sich zusehens. Als es dann endgültig anfängt zu regnen, hat mein Holländischer Begleiter genug. Wir verabscheiden uns und ich setze die Reise alleine fort. Die Kupplung spinnt immer mehr. In Triano setze ich dann ins gelobte Land über. In Brusio noch getankt. Mittlerweilen ist es stockdunkel und es regnet in strömen. Die Kupplung schleift bei jedem Gasgeben. Wenigstens bin ich in der Schweiz. Ich hämpfele meine LC8 über den Berninapass Richtung Sankt Moritz. Wenn ich es auf den Autozug schaffe, würde ich es dann auch nach Hause schaffen.

Nun daraus wurde nichts. In Samada war dann entgültig Schluss mit der Reise. Mir blieb nichts anderes übrig, als dem Service Truck vom TCS zu telefonieren. Der Touring Klub Schweiz organisierte dann ein Hotel für mich und den Transport des Motorrades zu meiner Werkstätte. Für den Mietwagen am anderen Morgen hat auch der TCS gesorgt. So kam ich am Tag 8, am frühen Nachmittag, wohlbehalten zuhause an.

Fazit: Für Freunde unzähliger Spitzkehren, Schotterpassagen und verwundenen Fahrwegen durch dichte Wälder, ist Slovenien der ideale Spielplatz.

Bei Ausflügen in die Botanik ist jedoch zu beachten, dass das Tankstellennetz nicht all zu ausgeprägt ist. Tankstellen sind nur in den grösseren Orten aufzufinden. Die Routenkilometer sollten also mit der Reichweite des eigenen Tankinhaltes abgestimmt werden. So kommt man auch zur nächsten Tankstelle.

Die befahrenen Strecken waren zwar fast menschenleer, dennoch führt der Weg zeitweise an Bauernhöfen oder keinen Dörfern vorbei. Desshalb muss man sich in solchen Situationen dementsprechend verhalten und Rücksicht nehmen. Den Kontakt mit der ländlichen Bevölkerung war durchaus positiv.

Es kann jeder, ja auch Du, dazu beitragen, dass uns dieses grandiose Paradies für Enduros noch lange erhalten bleibt.

 

Links zur Slovenia Gravel Tour:

Fotoalbum der Tour

Hotel Jazbec, Idrisko, Kobarid

Touring Klub Schweiz

KTM Adventure Tours