Red Dragon Tour UK Unsere Reise durch Kent, Norfolk, Peak District und Wales. 24. Juni bis 5. Juli 2011 Internet sei Dank, konnten Milan, Giuseppe und ich den Süden von England von seiner schönsten Seite kennenlernen. Es war zur Abwechslung mal wieder Winter, als ich aus purer Langeweile und Frust an den kalten, nassen und grauen Motorrad loosen Tagen anfing, das Internet nach Motorradforen und Reiseseiten zu durchstöbern, um den Winter die Langeweile zu entziehen. Das Amerikanische Adventure Rider Forum ist in den Dualsport Kreisen bestens bekannt. Schon lange durchstöbere ich die Daten der Amis. Viele Interessante Beiträge über Technik und unzählige Reiseberichte machen das Amiforum zu einem nie endenwollenden Strang von einem Daten Wirrwar. Mir persönlich ist das AdV Rider Forum viel zu gross, denn man braucht Zeit und viel geduld, um das Forum der Amis zu durchstöbern. Die Suchknechte funktionieren nur bedingt und spucken meistens nicht die gewünschten Treads aus. So stolperte ich auf meiner Suche per Zufall über das UK KTM Forum. Wärend bei den Amis Tank Reichweite und Reifen Langlebigkeit Thema Nummer eins zu sein scheint, interessierte mich doch sehr, was bei den Engländern so für Problemchen zu lösen gibt. So registrierte ich mich kurzerhand im UK KTM Forum als neuer User und postete sogleich meinen ersten Beitrag: Ich stellte mich der „English Adventure Community“ vor. Ich verbrachte den ganzen Winter lang immer wieder ein paar Stunden im UK Forum. Schrieb Beiträge, postete Bilder und tauschte Erfahrungen aus. Als dann das Datum für das Treffen 2010 des Swiss KTM Adventure Klubs offiziell bekannt war, postete ich einen Beitrag über das Treffen im UK Forum, um den Insulanern das Treffen schmackhaft zu machen. So entstand die Idee des „Anglo Swiss Motorcycle Cultural Exchange Programm“ . Ich konnte doch tatsächlich zwei Engländer dazu bewegen, uns am Treffen in der Schweiz zu besuchen. So kam es, dass Nick und Gordon 2010 nach Bure ans Treffen des Swiss KTM Adventure Klubs kamen. Am Treffen 2010 lernte ich die beiden dann richtig kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb prächtig. Nick, der ältere der beiden, ist der Haudegen. Er fährt seit 30 Jahren Enduro und scheint nicht über die Fahigkeit zu verfügen, das Vorderrad seiner Superenduro an den Boden zu bekommen. Gordon ist der jüngere, aber der ruhigere Typ. Seinen typischen, straubtrockenen Englischen Humor brachte mich oft zum Lachen. Die beiden verbrachten das Wochenende mit uns in Bure und kamen dann noch für 2 Tage zu mir nach Hause. So wurde ich dann beim Abschied von den beiden eingeladen, einmal Ihre Dualsport Gründe in England zu besuchen. Wir blieben weitehin in Kontakt und tauschten uns regelmässig über das Forum oder Facebook aus. Schnell war ein Datum für meinen Besuch in England gefunden und auf meine Frage, ob ich 2 Freunde mitbringen dürfe meinten Sie nur, „sure you can!“ So legten wir das Datum unseres Besuchs auf der Insel vom 24. Juni bis 5. Juli.Rund 10 Tage im Vereinigten Königreich waren geplant. Sie wollten dann mit uns zurück fahren und ein paar Tage am Treffen und in den Alpen verbringen. 6. 7. Juli war als Ruhetage geplant. 8. Bis 10. Juli das Treffen 2011 des Swiss KTM Adventure Klubs und dann noch eine Woche Touren in den Alpen. Ich hatte ihnen versprochen, sie ans Stilfser Joch zu bringen, während sie uns Ihre Heimat zeigten. Tag 1: Es dauerte noch ein ganzes Weilchen. Aber da die Zeit für niemanden stehen bleibt, war schon bald der 24. Juni 2011. Ich konnte zeitig Feierabend machen. So hatte ich noch Zeit den grossen Anhänger bei meinem Mechaniker zu holen. Schliesslich mussten auf den Rückweg 5 LC8 darauf passen. Ich brachte den Anhänger dann zur Orange Adventures Base und lud meine Adventure auf. Ich entschied mich für die Adventure und nicht die Superenduro, weil es die Rahmenbedingungen für die Tour vereinfachte. Reichweite und Ersatzteile passen dann eher zusammen. Auch wegen den langen Autobahn Etappen, welche mir gesagt wurde, die wir zurück legen mussten. Der Komfort ist eben um einiges besser. Giuseppe hat mich und Milan eingeladen, die Nacht bei Ihm zu verbringen. Dies brachte einige Vorteile. Da wir die Schweiz über Basel verlassen wollten und die Milan und Giuseppe in Zürich wohnen, konnte ich mir so 2 Stunden mehr Schlaf gönnen. Auch konnten wir die Motorräder und das Gepäck bereits verladen. So konnten wir am Morgen nur noch Frühstücken und losfahren. Ich traf gegen 21 Uhr bei Giuseppe ein. Noch schnell alles aufgeladen, solange wir noch etwas Tageslicht hatten. Dann war nur noch Plaudern und Bier schlürfen auf dem Programm. Wir besprachen die bevorstehende Tour, die Anreise zum Fährhafen usw. Es war schon viel zu spät, als Milan und ich uns in das Gästezimmer zurück zogen, wo wir das Bett teilten, während Giusy die letzte Nacht mit seiner Gemahlin verbrachte. Tag 2: Die Nacht war viel zu kurz. Es spielte aber keine Rolle, da ich sowieso unruhig geschlafen hatte. „Reisefieber“ nennt sich das. Ich war schon vor dem Wecker wach. Als dieser dann endlich klingelte, standen Milan und ich wie aus der Kanone geschossen, simultan auf. Schon toll wenn man den Tag mit einem herzhaften Lachen beginnen kann. Schnell ein paar Kaffee ins Gesicht geschüttet und los geht’s. Geplante Abfahrtszeit: 6 Uhr morgens. Schliesslich hatten wir gut 800 Kilometer Autobahn vor uns und ein Schiff zu kriegen. Ich war schön froh, hatte ich die anderen am Vorabend noch dazu genötigt, die Motorräder noch aufzuladen und das Gepäck zu verstauen. So konnten wir den Tag schön gemütlich und ohne Stress beginnen. Schnell waren wir auf der Autobahn Richtung Basel unterwegs, wo wir noch das Auto mit günstigen Schweizer Diesel auffüllten. Bald warn wir über die Grenze und wir konnten mit dem Anhänger ein vernünftiges Tempo fahren. Vorbei an Strasbourg hinein nach Frankreich bis Dunkerque. Am Fährhafen angekommen hatten wir schon bald einen Parkplatz gefunden, wo wir das Auto und den Anhänger stehen lassen konnten. So sattelten wir die „Pferde“ und machten uns auf dem Weg zum Check in der Fährgesellschaft. Wir waren noch etwas früh. So fragte ich am Check in, ob wir bereits an Bord dürfen, um etwas zu essen. Dieser Wunsch wurde uns nicht gewährt. Auch im Wartebereich gab es keine Möglichkeit, sich verpflegen zu können. So verlangte ich meine Fahrkarte zurück und wir verliessen das Hafengelände, um ein Restaurant zu suchen. Dies fanden wir dann auch in Form einer Pizzeria. Gesättigt und gestärkt kehrten wir dann an den Fährhafen zurück und begannen mit dem Check in von vorne. Diesmal waren wir aber nicht alleine. Bis hin zu den Einreiseformalitäten ging alles glatt. Mein Irischer Pass gezückt und alles klar. Milan, benötigte schon etwas länger. Unseren Don Giuseppe wollten sie gar nicht rein lassen. Pass abgelaufen! Nach langem hin und her liessen sie Giusy dann doch fahren. Später stellte sich heraus, dass der Pass doch noch gültig war. Der Herr Immigrations Officer hätte nur umzublättern brauchen, dann hätte er die Passverlängerung gesehen. Uns standen nun 2 Stunden Fähre bevor. Diese empfand ich aber gar nicht mal als so schlimm. Schliesslich hatten wir bereits einen langen Tag hinter uns. Als wir dann vom Schiff runter gekommen sind, ging’s dann ganz schnell. Bis zu Nick nach Ashford waren es gerade mal 20 Minuten. Kaum da, hatten wir auch schon ein Bier in den Händen. Die Mopeds wurden kurzerhand im Garten parkiert. Unser Zeug schnell abgeladen und nur noch nichts tun. Gute Nacht! Tag 3: Irgendwann früh am Morgen erwachte ich völlig neben den Schuhen. Milan war bereits wach und rauchte draussen eine. So gesellte ich mich zu ihm und genoss das Abwaschwasser, welches Nick Kaffee nennt. Schon bald war Nick auch auf und schloss sich uns an. Als ich dann irgendwann auf die Uhr schaute, stellte ich fest, dass es erst halb 7 war. Etliche Liter Kaffee später, stand dann auch Giusy auf der Terrasse. Nick brachte uns lecker Tost mit selbstgemachter Orangen Marmelade. Irgendwann mal waren wir dann soweit und zogen unsere Motorrad Klamotten an. Das Wetter war herrlich. AM Vorabend dachte ich noch, dass es Regnen würde, denn wir hatten bei unserer Ankunft in Dover stockdichten Nebel. Aber Nein, Sonnenschein pur! Andy, ein Freund von Nick, begleitete uns auf der ersten Ausfahrt rund um Ashford. Andy kam auf seiner kleinen 400er angerauscht. Das machte mir ein wenig Sorgen. Da wir drei Schweizerlein doch alle mit der Adventure da waren. Als Nick dann doch zur Superenduro und nicht zur kleinen griff, legten sich meine Bedenken langsam. Andy versicherte uns, dass es nicht all zu hart werden würde. So war es dann auch. Wir fuhren kleinste Waldwege, alles öffentliche und legal zu befahrende Strassen. Es war einfach toll, durch die Tunnelartigen verschlungenen Wege zu flitzen. Andy baute dennoch die eine oder andere Knacknuss ein. So war der Aufstieg zum an der Küste gelegenen zur BT Sendeanlage doch recht anspruchsvoll. Und auch die eine, stark ausgewaschene Abstiegspassage hatte es doch in sich. Zumal man nirgendwo anders hin kann, als die Landrover Fahrspuren diktieren und zudem waren diese so tief, dass man die Füsse die meiste Zeit gar nicht auf die Fussrasten bekommen hat. So kam es, dass Giusy sich die Fussbremse an einer Wurzel verklemmte und weder vor noch zurück kam. Nach längerem Kampf mit den Wurzeln, kam Giusy dann doch noch frei und wir konnten unsere Tour weiter führen. Der ungewohnte, schmierige Boden der Englischen Insel ist doch eher gewöhnungsbedürftig. Für die Engländer absolut normal, heisst für uns schmierige Pampe. Daher was es ganz normal, dass wir drei Schweizer hin und wieder das Moped aufheben mussten. Letztendlich brachte es Milan fertig, sein Moped so ungünstig hin zu legen, dass die Trennstelle am Benzinschlauch kaputt ging. Jedes Mal wenn Milan die Zündung einschaltete, spritzte das Lebenselixier nur so raus. Wir versuchten das Leck irgendwie zu dichten. Mit Schlauch und Klebeband, Kabelbinder usw. Kevin, welcher etwas später zu uns stiess, zog sofort los, um seinen Van zu holen, während Nick sich um die Beschaffung eines passenden Schlauches kümmerte. Andy blieb bei uns und führte uns zum abgemachten Treffpunkt, als wir soweit waren, dass wir Milans Adventure aus der Wildnis fahren konnten. Schon bald war Kevin mit seinem Van da. Er fuhr dann mit Milan und seinem Motorrad zu Nick nach Hause. Ich war ehrlich gesagt ganz froh, wurde die Tour verkürzt. Denn die Hitze und der ungewohnt schlüpfrige Boden laugten mich aus. Andy führte mich und Giusy dann weiter über schöne Strassen zu Nicks Heim. Dort angekommen war bereits alles bereit, um Milans Motorrad wieder auf Vordermann zu bringen. Wir schraubten dann bis spät in die Nacht, so dass Milan sorgenfrei in die morgige Etappe starten konnte. Ich hatte mir an dem Tag noch den Schalthebel ruiniert. Mit Kabelbinder lassen sich aber so viele Dinge richten. Tag 4: Uns stand nur ein kurzes Special bevor. Der vierte Tag stand eher im Zeichen der Verbindungsetappe. Nick musste am Nachmittag zur Arbeit. Er hatte nur am Morgen etwas Zeit. Er brachte uns zum Pilgrims Way. Eine sogar mit Gepäck nicht schwer zu befahrende Schotter Strecke. Wir hatten viel Spass. So langsam gewöhnten wir uns an das Englische Terrain. Wir kehrten dann zum Mittagessen in ein Restaurant ein, welche die Decke komplett mit gedörrten Blumen behangen ist. Leider weiss ich den Namen nicht mehr. Finden würde ich es aber wieder. Nach einem sehr guten Mittagessen verabschiedete sich Nick dann und fuhr zur Arbeit. Für uns war es an der Zeit, Richtung Gordon aufzubrechen. Zuerst aber gab es noch einen Zwischenstopp beim The KTM Center. Dort waren die so freundlich und schraubten den Schalthebel eines Ausstellungsmotorrades ab, da sie keinen an Lager hatten, und bauten diesen an meiner Maschine an. Milan besorgte sich noch gleich einen neuen Blinker. Danach ging die Liaison weiter nach St. Neods zu Gordon. Dieser empfing uns mit ein paar kühlen Drinks und einem leckeren Abendessen. Nach dem Abendessen und frisch geduscht, spazierten wir dann ins Dorf, um ein paar köstliche Biere zu degustieren. Schon bald war Zapfenstreich und Zeit, ins Körbchen zu gehen. Denn morgen, ja morgen da würde uns Toni durch Norfolk führen. Tag 5: Gordon musste an diesem Tag leider zur Arbeit fahren. Aber wir sollten nicht uns selbst überlassen bleiben, dann Gordon und Nick hatten unsere UK Tour von A bis Z durch organisiert. So erklärte sich Tony, ein Freund von Gordon, bereit, uns an dem Tag durch Norfolk auf den Peddars Way zu begleiten und uns die Schönheiten der Region näher zu bringen. Während wir Kent als sanft hügelig empfanden, war Norfolk regelrecht flach. Gordon stellte mir am Vorabend den Wegpunkt ein, wo wir Tony treffen würden und gab mir seine Telefon Nummer. Gordon war schon lange aus dem Haus, als wir endlich aufstanden und ausgiebig Tost und Kaffee zu uns nahmen. Die Zeit drängte, denn wir wussten nicht wie lange wir brauchten, um den Treffpunkt zu erreichen. So verliessen wir Gordons Häuschen und machten uns auf Überland Strassen auf den Weg nach Kings Mill. Wie so oft im Ausland ist es schwierig, eine Distanz einzuschätzen. Die angegebenen Zeiten des Navi und die Realität waren mal wieder zwei ganz verschiedene paar Schuhe. So blieb mir nichts anders übrig, als bei Tony anzurufen und ihm zu sagen, dass wir uns verspäten. Mit nur 45 Minuten Verzögerung trafen wir dann auf dem Parkplatz von Tesco ein. Tony war bereits mit seinem Van da. Für uns war das natürlich super, denn wir konnten unser Gepäck in Tonys Van lassen. Dieses mussten wir mitnehmen, weil wir am heutigen Abend bereits wieder bei einem weiteren Dualsportler übernachteten. Gordon würden wir erst am Wochenende wieder sehen. Schon bald ging es vom Asphalt runter auf sandigem Schotterboden durch wunderbare Wälder. Vorbei an alten Burgruinen und Farmhäusern. Eine wahre Freude. Doch die Wege sollten nicht so bleiben. Schnell wechselten die Wege von schönem Schotter mit Sandpassagen, zu mit Gras überwachsenen Pfade welche nur Dank den beidseitig hochgezogenen Natursteinmauern auszumachen waren. Wir bewegten uns zwischen wunderbaren, mit Blumen geschmückten Feldern auf einer uralten Strasse, welche bereits von den Römern erbaut wurde. Bei einem Zwischenhalt erklärte uns Tony wie es bei Ihnen mit dem Wegrechten und Fahrverboten gehandhabt wird. Wie viel Zeit und Geld die TRF (Trail Rider Fellowship) investiert, um die alten Fahrwege offen zu halten. Auch bei Ihnen wird es zunehmend schwieriger, den Offroad Sport ausüben zu können. Umso wichtiger sei es, sich an die Regeln zu halten. Dazu kommt, dass die 4x4 Fraktion sich grosser Beliebtheit erfreut. Diese jedoch habe andere Bedürfnisse als die Motorrad Fahrer. Wollen doch die 4X4ler absichtlich stecken bleiben, so dass Sie ihre Seilwinden benutzen können. Es gibt sogar Events, da geht es nur ums Winching. Diese richten dann erheblichen Schaden an den Wegen an und so kommt es oft, dass dann Fahrverbote erwirkt werden. Es war auf jeden Fall ein interessantes Gespräch und man merkt durch das Band weg, dass es den Motorrad Fahrern die wir kennen gelernt hatten, ein wichtiges Anliegen ist, Respektvoll mit den Wegen umzugehen. Wir fuhren weiter und kurz darauf endete der Weg in einem seichten Bachbett, in welchem wir weiter fuhren, bis in den Ort South Creek. Danach weiter auf mit Gras überwachsenen Wegen. Das Gras war so hoch, man konnte nicht sehen, worauf man fuhr. Spurrillen, Steine und Äste merkte man erst, wenn es schon zu spät war. So kam es, das Giusy einen unfreiwilligen Absteiger machte und seine rechte Hand verletzte. Giusy ist aber hart im Nehmen und fuhr weiter. Tony führte uns nach Heacham wo etwas Wüstenfeeling auf kam. Es war alles Sand auf der Verbindungstrasse nach Hunstanton. Nur das Wetter war nicht wie in der Wüste. Mittlerweile regnete und stürmte es. Wir parkierten unsere Mopeds standesgemäss direkt am Strand und gingen, nachdem wir eine Apotheke aufgesucht hatten, Mittagessen. Giusys Schmerzen wurden immer stärker und so entschlossen wir uns, die Norfolk Tour abzubrechen. Schliesslich hatten wir noch ein ganzen Stück Weg bis Leichester vor uns und das Wetter war alles andere als Verheissungsvoll. Tony brachte uns so zurück zum Tesco Parkplatz. Dort sattelten wir unser Gepäck wieder. Wir bedankten uns herzlichst bei Tony und machten uns auf den Weg. Noch immer regnete es in Strömen. Wir hielten noch für Tee und Kuchen an, als John mir ein SMS schickte und fragte wo wir sind. Natürlich hatte ich keine Ahnung, so konnte ich nur schreiben: „We are somewhere in England.“ So gegen 19 Uhr trafen wir dann bei John und Suzanne zuhause ein. Wir kannten die beiden nicht. John war ein Motorrad Freund von Gordon. Doch der Empfang war herzlich. Eine riesen Garage, wo wir uns trockene Sachen anziehen konnten war vorhanden. Mit einem leckeren Abendessen und ein paar Drinks beendeten wir den Tag. Tag 6: Heute fahren wir mit John in den Peak District. Der Peak District ist eigentlich ein National Park. Dennoch gibt es dort viele legale Offroad strecken und Wege. Landschaftlich ist die Gegend um Buxton sehr reizvoll. Wir treffen uns im Yonderman, einer Biker- und Truckerkneipe mit Mick und Gary. Giusy‘s Hand schmerzt noch immer sehr vom Vortag. So entschliesst er sich, Offroad Fahrten an diesem Tag auszusetzen. Mick, der Frührentner, erklärte sich sofort bereit, den Tourguide für eine reine Strassentour zumachen. So dass Giusy trotzdem noch ein wenig Motorrad fahren kann und nicht einfach den ganzen Tag auf uns warten muss. Da auf der Strasse mit weniger Schlägen gerechnet werden kann, freut sich Giusy riesig über das Angebot. Nach einem ausgiebigen Englischen Frühstück starteten wir dann in zwei Gruppen auf unsere Tagestour. Eine Gruppe Mick und Giusy und die andere Gruppe Gary, John, Milan und ich. Schon nach ein paar schönen Kurven biegen wir in ein Kieswerk ab. Von dort ging dann bereits der erste Trail aus. Erst etwas kreuz und quer über gute Schotterstrassen, dann den Fluss Wye entlang und wieder kreuz und quer durch über Farmland Wege. Die Zeit flog nur so dahin. Kaum losgefahren war es schon Zeit fürs Mittagessen. Wir kehrten in den Bulls Head ein. Ein kleines, schnuckeliges Beizli. Kaum da, trafen auch schon Mick und Giusy ein – Oder war es andersrum? Das Timing war auf jeden Fall so perfekt, dass ich das gar nicht mitbekommen habe, wer von den beiden Gruppen zuerst da war. Am Nachmittag ging es dann in selben Stil weiter. Eine abwechslungsreiche Streckenführung, die malerischen kleinen Orte und die liebliche Landschaft trugen dazu bei, dass der Tag im Nu zu Ende war. Wir trafen uns dann gegen Ende der geführten Tour wieder alle in einem, schön auf einer Anhöhe gelegenen Pup. Wir tranken noch etwas und bedankten uns bei den Tourguides für ihre Dienste und den schönen Tag. Danach machte sich John mit uns auf den Rückweg zu seinem Haus. Als Dankeschön für die Gastfreundschaft luden wir dann John und Suzanne am Abend zum Essen ein. Wir fuhren nach Leichester in die Stadt, zum Italiener. Das Essen war lecker und der Abend war lustig. Müde fiel ich spät abends ins Bett und fragte mich, was wir wohl morgen alles erleben dürfen. Tag 7: Der fünfte Tag auf der Insel. Heute war wiederum eine Verbindungsetappe auf dem Programm. John und Suzanne gingen früh zur Arbeit, während Milan, Giusy und ich noch ein wenig liegen blieben. Irgendwann einmal machten wir dann Frühstück und machten uns fertig für die Abreise. Nach ein wenig Hausarbeit, war es dann soweit. Wir sattelten die Pferde und fuhren los – Ziel Rhayader in Wales. Da wir rund 240 Kilometer vor uns hatten, gingen wir die Etappe ganz ruhig an. Wiederum hatten wir fantastisches Wetter. John hatte mir am Vorabend noch eine Route heraus geschrieben. Wir fuhren eine ganze Weile auf einer Römischen Strasse. Diese war zwar über die Zeit immer mehr und mehr ausgebaut worden und nun gänzlich asphaltiert. Dennoch hatte die Strasse etwas ganz besonderes an sich. Sie verlief nämlich von dem Punkt an, auf dem wir auf die benannte Strasse kamen, praktisch schnurgerade. Bis wir die Römer Strass, 50 Kilometer später wieder verlassen würden, sollte dies auch so bleiben. Unser Weg führte dann über Worcester und Leominster nach Kington, unweit der „Kantons“ Grenze zu Wales. Kaum über der Grenze zu Wales, änderte sich die Landschaft merklich. Die Vegetation wurde spärlicher. Weniger Bäume und Büsche, mehr offenes Gelände. Nick hatte bereits für uns Zimmer im Ty Morgans reserviert. Schnell war das PUP/Hotel/Restaurant gefunden. Da das Hotel schon voll war, haben wir kurzerhand ein Ferienhaus bekommen. So machten wir es uns auf 3 Etagen mit Esszimmer, grosser Küche, Wohnzimmer und 3 Schlafzimmer gemütlich. Nick wollte dann aufs Abendessen zu uns stossen. Aber wie so oft im Leben kommt vieles anders als gedacht. Nick blieb auf Arbeit länger hängen. So haben wir ohne Ihn zu Abend gegessen. Da das Wetter wieder absolut prachtvoll war, verbrachten wir fast ausnahmslos die ganze Zeit im Garten des Pubs. Um ca. 22.30 Uhr vernahmen wir dann ein Brummen der Superenduro. Das konnte nur Nick sein. Schnell bestellten wir ein Pint vom feinsten Ale und schon war Nick auch im Hinterhof eingefahren. Wir begrüssten Ihn mit Freuden und überreichten Ihm das Bier. Nick strahlte wie ein Marienkäfer und freute sich riesig über das gelungene Willkommensgeschenk. Nach ein paar Bier war dann auch schon Feierabend. Wir waren alle hundemüde und legten uns mit Freuden ins Bett. Tag 8: Dieser Tag stand voll und ganz im Zeichen des roten Drachen. Eine ausgedehnte Fahrt durch Wales und auf den wohl berühmtesten Offroad Strecken der Gegend stand uns bevor. Erst aber gab es ein traditionelles Frühstück mit Bohnen, Speck, gedünsteten Tomaten und Rührei. Dazu Berge von Tost und literweise Kaffee. Danach gab es kein Halten mehr. Schutzkleidung angezogen, Wasserblase gefüllt und los ging‘s. Giusy‘s Hand schmerzte noch immer und so langsam schlich sich der Verdacht ein, dass die Hand wohl mehr als nur gestaucht ist. Giusy entschloss sich aber trotzdem mitzukommen. Schliesslich war er dafür da - Um Offroad zu fahren und Spass zu haben. Sein Plan war, falls die Schmerzen zu gross sein würden, er wieder zurück ins Hotel fahren würde. Giusy kämpfte sich aber tapfer durch bis zum Schluss. Nun aber zurück zur Wales Tour. Wir starteten mit den „Piano Steps“. Diese waren noch recht gut zu meistern. Danach folgte der Elan Valley Trail. Recht anspruchsvolle, weiche Passagen, die Knietief oder mehr mit Wasser vollgelaufen waren. Mit den dicken Katis doch schon recht happig. Es folgte die Schotterstrasse am Claerwen Reservoir entlang. 20 Kilometer Rally Feeling kommt da auf. Einige einfache Wasserdurchfahrten rundeten den Spass ab. In „Ffair Rhos“ änderte dann die Richtung. Über die „Strader Florida“ ging es dann zurück nach Rhayader. Nik sagte uns, dass es seit einigen Tagen nicht mehr geregnet hat, ist die Strada Florida gut zu bewältigen. Wenn es davor 1 oder 2 Tage geregnet hat, kann man es vergessen, die Strada fahren zu können. Einfach zu viel Wasser. Es kam vor ein paar Jahren auf der Strada zu einem tragischen Unfall. Ein Mann wollte mit seinen zwei Kindern die Strada befahren. In den Wassermassen kippte der Landrover um. Der Mann schaffte es nur noch, eins seiner Kinder zu retten. Heute erinnert noch ein Kreuz an die Tragödie. Dass die Strada Florida nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, zeigt auch ein anderer, gestrandeter Landrover. Der steckt noch heute im Morast fest und wartet darauf, dass er geborgen wird. Auf etwa 10 Kilometer kommen 20 Wasserdurchfahrten. Je nach Wetter mit mehr oder weniger Wasser. Da es seit wir in England waren nur gerade mal an einem einzigen Tag knappe 4 Stunden geregnet hatte, war sehr wenig Wasser in den Furten anzutreffen. Danach ging es auf Asphalt wieder zurück ins Hotel. Mit einem leckeren Abendessen und viel zu trinken beendeten wir dann den Tag. Gordon sollte an dem Abend noch zu uns stossen. Er traf aber erst um 1 Uhr Nachts bei uns ein. Batterieprobleme. Tag 9: Der zweite Tag im Zeichen des roten Drachen. Den Tag haben wir wieder gleichbegonnen. Nur kam diesmal noch einen Kater dazu. Wir hatten alle in bisschen zu viel des guten abbekommen. Gordons Maschine machte keinen Wank. Batterie tot. Wir fuhren dann zu ET James. Einem ortsansässigen Motorrad Mechaniker. In seinem Laden fühlt man sich wie Fatima im Denner (Aus dem Türkischen auf Deutsch übersetzt: Alice im Wunderland). Von Bremsgriffen, über Handschützer, T-Shirts, Brillengläser hat James einfach alles. Nur leider keine Batterie, die in die Adventure passt. Der Alternator erwies sich als funktionstüchtig. Nur eben war die Batterie kaputt. So liess Gordon den Englischen TCS kommen und seine Maschine zum nächst gelegenen KTM Händler überführen. 4 Stunden weit weg. So kam es, das Gordon nur zum übernachten zu uns gefahren ist und an dem Tag leider nicht mit uns fahren konnte. So starteten wir doch sehr spät in den Tag. Am vorigen Tag fuhren wir Westwärts. Heute ging es Ostwärts. Kaum vom Hotel weg, kamen auch schon die ersten Green Lanes. Diesmal machten die Wege ihrem Namen alle Ehre. Kaum Schotter. Nur Gras. Dank den „Wölbungen“ waren die Wege auszumachen. Durchs Liliput Land dann über den Monks Way. Dort erwarteten uns wiederum einige Flussdurchquerungen. Während die anderen versuchten die tiefen Wasseransammlungen zu umfahren, wurde es Milan und mir zu doof. An einer der Tieferen Furten stieg ich deshalb kurz ab und watete durchs Wasser. Bis zu den Knien. Sollte kein Problem sein. Milan als erster. Giusy als zweiter und ich als Letzter. Nick war bereits auf der anderen Seite. Er fuhr über den Landweg und trockenen Fusses dorthin. Während die anderen zwei dort fuhren wo ich durch gewatet war, kam ich aus irgendeinem Grund in die andere Spurrille. Da das Wasser sehr trüb war konnte man nichts sehen. Ich erwischte ein tiefes Loch, welches mich fast zum Absteigen zwang. Nur nicht hinfallen! Ich konnte die ganze Fuhre noch irgendwie retten und kam dann doch noch heil auf die andere Seite. Wie sich das gehört hat Nick alles auf Video festgehalten. Unzählige Tracks und Green Lanes fuhren wir an dem Tag ab. Und wiederum fantastischen Wetter. Nur schon fast zu heiss. Tag 10: Der heutige Tag war ganz unspektakulär. Nach einem ausgiebigen Abendmahl und mal wieder viel zu viel heiligem Geist war ich an dem Morgen fix und fertig. Ich war bloss froh, dass es nicht nur mir so ging. So gingen wir das ganze doch sehr ruhig an. Es stand ja nur eine Verbindungsetappe nach Ashford auf dem Tagesprogramm. Diese entpuppte sich aber als über 400 Kilometer lang und fast ausschliesslich Autobahn und Schnellstrasse. Giusy war das ganze recht. So konnte er seine Hand etwas schonen. Trotzdem haben an dem Tag alle gelitten. Die Strasse schien fast endlos zu sein. Um das ganze abzurunden fing die Gabel an Nicks Motorrad noch an zu siffen. Wir waren alle heil froh, als wir bei Nick zuhause ankamen. Für den Rest des Tages war eigentlich nur noch hängen auf dem Programm. Da aber Nick unseretwegen sein Zuhause ein wenig vernachlässigt hatte, standen für Ihn etliche Arbeiten an. Da wir ihm im Office nicht helfen konnten, haben wir den Rasen gemäht und sonstige Arbeiten rund ums Haus für erledigt. Halb tot aber glücklich vielen wir dann ins Bett. Tag 11: Der zweitletzte Tag verlief für mich eher unspektakulär. Ich hatte von zuhause eine ellenlange Liste bekommen, was ich alles mitbringen soll. Nick musste arbeiten, war aber so freundlich und fuhr mich trotzdem schnell in die Stadt zum einkaufen. Um uns für die Gastfreundschaft zu revanchieren, entschlossen wir uns, am Abend eine Grillparty zu organisieren. Das Wetter war wiederum einfach perfekt und es bot sich regelrecht an, die Sonne zu geniessen. Ich fragte Nick, ob er nicht beim örtlichen Metzger Fleisch für alle besorgen könnte. Getränke dürfen natürlich auch nicht fehlen. Nick besorgte, wir bezahlten. Im Supermarkt kaufte ich dann noch die nötigen Zutaten, um einen Tomaten Mozzarella Salat zu machen. Milan und Giusy brauchten eigentlich nichts, denn sie hatten auch keine Bestellung von Zuhause erhalten. Die beiden erkundigten sich bei unserem Gastgeber, ob es in Ordnung sei, wenn sie den Track vom dritten Tag nochmal abfahren würden. Schon waren sie weg und bis am Abend nicht mehr gesehen. Da ich genug Zeit hatte, stellte ich mich auf einen gemütlichen Tag, mit Grillparty vorbereiten ein. Ich stellte den grossen Sonnenschutz, Tische und Stühle auf und bereitete den Salat vor. Gegen den späteren Nachmittag traf dann Gordon ein. Mit neuer Batterie und Gepäck für die nächste Woche. Andy schaute mit seiner Tochter rein, Nicks Familie war da und wir drei. Wir verbrachten einen wundervollen letzten Abend auf der Insel und genossen die Gesellschaft der neu gewonnenen Freunde. Tag 12: Wir mussten früh auf, denn wir hatten eine Fähre zu erwischen. Am Vorabend haben wir schon mal alles auf den Motorrädern vorgeladen und mussten uns eigentlich nur noch umziehen. Nach ein paar dutzend Kaffee verabschiedeten wir 4 uns dann von Nick und seiner Familie und bedankten uns nochmal für die Gastfreundschaft. Schnell waren wir am Fährhafen. Die Zollabfertigung verlief schnell und problemlos. Wir hatten jetzt erst mal eine kleine Bootsfahrt vor uns. Irgendwie hat es aber alle verstrichen. 10 Tage intensiv Motorrad fahren, haben es eben doch in sich und wir sind ja auch nicht mehr 20. Die Frage kam auf, ob wohl das Auto und der Anhänger noch dort waren, wo wir diese hinterlassen hatten? Unsere Sorge war unberechtigt. Alles war genau so, wie wir es verlassen hatten. Einfach viel staubiger. Es war fürchterlich heiss. Wir zogen uns um, verluden die Motorräder auf dem Anhänger und verstauten das Gepäck im Kofferraum. Die rund 750 Kilometer lange heimreise erwies sich als ereignislos. Zirka um Mitternacht fuhren wir in Pratteln auf den Parkplatz der Raststätte. Es war an der Zeit, dass sich unsere Wege für einmal mehr trennten. Giusy und Milan bewältigten die letzten Meter auf ihren Motorrädern, denn Gordon und ich mussten noch ein Stück weiter. Um etwa 1:30 Uhr morgens trafen wir in Interlaken ein. Lange blieben wir an dem Abend nicht mehr auf. Für das man den ganzen Tag nur im Auto sitzt und nichts tut, ist man doch ganz schön gerädert, nach so einer langen Autobahnfahrt. In den folgenden Tagen besuchten Gordon und ich das Adventure Treffen, machten einige Touren ins Wallis, bei uns im Berner Oberland und fuhren über das Stilfser Joch. Eigentlich wollte ich mit Gordon an die Ligurische Grenzkammstrasse. Dafür hat uns aber die Zeit nicht gereicht. England und Wales ist ein fantastischer Teil Europas zum Motorrad fahren. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Leute lässt es einem richtig warm ums Herz werden. Die Landschaften sind zwar anders als bei uns, jedoch nicht weniger reizvoll. Auf der Britischen Insel gibt es unzählige Möglichkeiten, sein Motorrad Offroad zu bewegen. Auch für Geländewagen gibt es viel zu tun. Die unzähligen 4x4 und Landrover Klubs lassen erahnen, was alles möglich ist. Dass wir ausnahmslos nur Sonnenschein hatten, setzte der ganzen Reise noch die Krone auf. Wir hatten eine fantastische Zeit und kommen gerne wieder einmal auf die Insel zum Motorrad fahren. Jetzt haben wir ja Freunde dort, die wir besuchen können. Ein Grund mehr, wieder einmal dahin zu fahren. Nick, Stacey, Matthew, Cheryl, Gordon, Andy, Tony, Gary, Mick, John and Suzanne! Danke Leute! Es war toll! Leider stellte sich später in der Schweiz heraus, das Giusy's Hand gebrochen war. Einige Wochen Gips waren angesagt. Mittlerweile aber ist Don Cantone wieder auf der Höhe.
Fährgesellschaft: http://www.dfdsseaways.de/faehrrouten/duenkirchen-dover Ty Morgans: http://www.tymorgans.co.uk/ Sponsoren: Milan Wöss - 1 Tankfüllung, Giuseppe Cantone - 1 Tankfüllung, Moto Funky - Anhänger, Nick Humby/Gordon Brown/John & Suzanne Mullen - Übernachtungsmöglichkeiten. |